Stress beim Hund – Signale erkennen und richtig reagieren

Stress beim Hund

Stress beim Hund ist ein immer größer werdendes Problem. Unsere Hunde werden regelmäßig vielen Reizen ausgesetzt. Von ihnen wird verlangt, der perfekte Alltagsbegleiter zu sein und immer und überall entspannen zu können. Unzählige Geräusche und Gerüche prasseln auf sie ein und es ist unsere Aufgabe, genau hinzu schauen Stresssignale zu erkennen. Heute gebe ich Dir aus meiner Erfahrung heraus Tipps, wie Du Stress beim Hund erkennst und wie Du Deinen Hund unterstützen kannst.

Stress beim Hund – Was ist Stress überhaupt?

Um zu verstehen, warum Stress so schädlich für Deinen Hund sein kann, ist es wichtig zu verstehen, was Stress überhaupt ist. Jeder von uns hat mal Stress – Du genauso wie ich.

Der Körper vom Hund als auch von uns Menschen reagiert mit Stress auf Bedrohungen. Stress beim Hund ist also auf den ersten Blick vollkommen natürlich und kann sogar überlebenswichtig sein. Durch Stress mobilisiert der Körper alle Ressourcen, um im Fall der Fälle bereit zu sein. Es ist wie ein Alarmknopf, der komplett automatisch aktiviert wird. Es wird Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Wie auch bei uns Menschen führt dies zu einer höheren Herz- und Atemfrequenz und der Blutdruck sowie der Blutzuckerspiegel steigt. Dein Hund gerät in einen Tunnelblick und auch das Schmerzempfinden ist häufig herunter gesetzt.

Im Normalfall folgt einer Stresssituation eine Erholungsphase

Nach einer akuten Reaktion durch Stress folgt im Normalfall eine Erholungsphase. Hierdurch gelangt der Körper wieder ins Gleichgewicht. Kann Dein Hund eine Stressreaktion aber nicht ausgleichen, weil diese zu oft oder zu stark auftritt, kann der Stresszustand chronisch werden. Und nun stell Dir mal vor, Du stehst dauerhaft unter Stress? Keine schöne Vorstellung, oder?

Innerer Stress vs. Äußerer Stress

Hierbei unterscheidet man zwischen innerem und äußerem Stress. Äußerer Stress ist die Reaktion auf äußere Reize, durch die sich Dein Hund gefährdet fphlt. Hierzu gehören Dinge wie der Mangel oder das Fehlen an Reizen oder das Gegenteil: Die Reizüberflutung. Vor allem soziale Stressfaktoren sind hierfür ein Auslöser wie die Unverträglichkeit mit einem anderen im Haushalt lebenden Hund oder gar mit einem Menschen. Auch Überforderung, Unterforderung oder Strafe können zu äußerem Stress führen. Beim inneren Stress steht der Körper dauerhaft im Ungleichgewicht. Dies kann durch Nahrungs-, Wasser- oder Schlafentzug entstehen. Aber auch Angst und Schmerzen können inneren Stress auslösen.

Welche Folgen kann dauerhafter Stress beim Hund haben?

Steht Dein Hund dauerhaft unter Stress, kann dies ernsthafte Folgen für Deinen Hund haben. Du kennst das bestimmt auch von Dir selbst: Stehst Du länger unter Stress, wirst Du anfällig für verschiedene Krankheiten. Zum einen verändert sich auch beim Hund die Psyche: Hunde, die unter Stress stehen, reagieren auf Reize extremer, haben oft eine hohe Aggressionsbereitschaft und sind gereizt. Auch die Konzentration und Leistungsbereitschaft lassen deutlich nach. Unter starkem Stress kann kein Hund lernen, er ist blockiert und nicht aufnahmebereit. Er blendet alle Sachen aus und fokussiert sich ganz auf die Sache, die den Stress in ihm auslöst. Das ist auch der Grund, warum viele Hunde im Training nicht mehr ansprechbar sind – sie können in diesem Moment nicht anders reagieren.

Körperliche Folgen sind ein geschwächtes Immunsystem, was wiederum zu einer höheren Anfälligkeit für Infektionen führt. Auch besteht ein höheres Risiko für Allergien und Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (wie zum Beispiel eine Gastritis). Die Möglichkeit auf einen Schlaganfall oder ein Herzinfarkt steigt.

Wie Du erahnen kannst, ist es somit wichtig, dass sich Dein Hund vom akutem Stress erholen kann, um gar nicht erst in dieses Hamsterrad zu kommen.

Woran kannst Du Stress beim Hund erkennen?

Nun bist Du als aufmerksamer Hundebesitzer gefragt. Denn die Anzeichen für Stress können sehr unterschiedlich sein und sind abhängig von Deinem Hund. So zeigen viele betroffene Hunde Hyperaktivität und Unruhe, andere reagieren über den Magen und den Darm. Auch Apathie und Abgeschlagenheit sowie dauerhafte Müdigkeit können Anzeichen für Stress beim Hund sein.

Ich möchte Dir hier eine kleine Übersicht über mögliche Anzeichen geben. Häufig kommen verschiedene Anzeichen zusammen. 

  • Beschwichtigungssignale, zum Beispiel Gähnen, über das Maul schlecken, ducken, etc.
  • Übersprungshandlungen, auch ganz einfache wie Schütteln oder ähnliches
  • Achte auf die Körpersprache: Wie hält Dein Hund seine Rute? Ist er angespannt oder steif?
  • Unruhe, Nervosität
  • hohe Reaktivität und unverhältnismäßig hohe Aggressivität
  • Magen-Darm-Probleme, zum Beispiel auch Durchfall (hier sollten natürlich andere Faktoren ausgeschlossen werden)
  • Panik und Angst
  • Autoaggressivität, also selbstzerstörendes Handeln (sehr typisch ist zum Beispiel das Pfoten- und Rutenkauen)
  • Zerstörungswut
  • rot unterlaufene Augen
  • Stressgesicht (es fällt einen, die Sehen und Adern werden sichtbar)
  • Verspannungen in den Muskeln
  • Speicheln, Zittern
  • schlechter pH-Wert im Maul, welcher sich durch einen unangenehmen Geruch zeigt
  • flaches Hecheln (ohne erkennbaren Grund)
  • Übertriebene Körperpflege oder das Lecken an Gegenständen wie Kissen oder am Hundebett
  • Jaulen und Winseln – vor allem, wenn der Hund nicht gelernt hat, alleine zu bleiben
Calming Signal
Ein typisches Beschwichtigungssignal ist das über die Nase lecken. Allerdings gehört dieses auch in die normale Kommunikation unserer Hunde. Sollte sich Dein Hund also mal über die Nase lecken, brauchst Du nicht direkt Panik bekommen. Achte auf das Gesamtpaket.
 
Sollte Dein Hund eins oder mehrerer dieser Anzeichen zeigen, musst Du auf Ursachenforschung gehen, wenn der Grund nicht sofort für Dich ersichtlich ist. Vieles ist mit einem guten Training in den Griff zu bekommen, aber dazu komme ich noch.

Wodurch kann Stress ausgelöst werden?

Die Auslöser von Stress sind genauso wie die Symptome und die Reaktionen extrem unterschiedlich. Ich hatte mögliche Ursachen oben schon mal kurz angeschnitten beim Thema innerer und äußerer Stress.

Ein großer Auslöser für Stress ist, wenn Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden. Hierzu gehören neben den Faktoren Futter, Wasser auch der Schlaf und fehlende Bewegung und Langeweile. Aber auch eine Überbelastung kann zu Stress führen – beispielsweise im Hundesport, durch extremes Rennen, Spielen oder Jagen. Im Hundesport spielen auch der Leistungsdruck und die Angst vor dem Versagen eine Rolle.

Hat Dein Hund Schmerzen, löst auch dieses Stress in ihm aus. Frustration, starke Veränderungen im Alltag oder generell Unsicherheit sind weiterhin starke Stressoren.

Ein sehr häufiger Auslöser für Stress ist das Alleinsein. Vor allem dann, wenn der Hund es nie richtig gelernt hat. Natürlich spielen auch Umwelteinflüsse für Stress eine große Rolle: Dies können (vor allem laute und ungewohnte) Geräusche sein oder eine neue Situation bzw. Umgebung, da dieser Trubel zu einer Reizüberflutung führt, die Dein Hund nicht verarbeiten kann. Sofern Dein Hund schon mal mit etwas eine schlechte Erfahrung gemacht hat, wird auch das Stress in ihm auslösen, denn natürlich wird reagiert der Körper auf diese Erfahrung mit Alarmbereitschaft, damit sich diese Situation nicht wiederholt. Natürlich gibt es auch echte Bedrohungen, auf die Dein Hund mit Stress reagiert meistens gepaart mit Angst, Unsicherheit und Panik – oder, je nach Hundetyp – mit Aggressionen.

Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass Strafen und Gewalt bei Deinem Hund Stress auslösen. Aber ich bin mir sicher, dass Du so etwas sowieso nicht in Eurem Alltag nutzt. Sofern Du einen schlechten Tag hast und selbst gereizt bist, wird auch das sich auf Deinen Hund übertragen. Natürlich hat jeder von uns mal einen schlechten Tag. Aber dann solltest Du gewisses Training und Erziehung lieber auf einen besseren Tag verschieben 🙂

Gibt es noch weitere Stressoren?

Die oben genannten Punkte sind natürlich sehr allgemein gefasst. Aber es gibt auch Auslöser von Stress, die individuell auf Deinen Hund zutreffen. Das sind bestimmte Situationen (die er vielleicht mal negativ verknüpft hat). Vielleicht stressen ihn auch zu viele Hunde oder Menschen um ihn herum – nicht jeder Hund ist glücklich, wenn er einer Horde Hunde ausgesetzt wird und selbst damit klar kommen muss. Auch eine zu niedrige Individualdistanz sollte bedacht werden – leider wird hier in vielen Hundeschulen viel zu wenig darauf geachtet. 

Wie Du siehst, gibt es unzählige Ursachen, die in Deinem Hund Stress auslösen können. Nun ist es sicherlich so, dass niemand es schafft, das komplette Leben seines Hundes ohne Stress zu meistern. In geringem Maße mit danach folgenden Ruhephasen kann ein Hund das auch weg stecken. Je nach Charakter, Vorgeschichte und Erfahrung Deines Hundes, kann es aber eben auch zu schwerwiegenden Folgen kommen.

Jeder Hund ist ein Individuum und reagiert auf verschiedene Reize unterschiedlich. Deswegen ist es an Dir als kompetenter Hundehalter, ein genaues Auge darauf zu haben, dass Dein Hund nicht mit Stress und Reizen überhäuft wird.

Lass uns über Adrenalin sprechen

Wie bereits oben schon erklärt, wird bei Stress Adrenalin ausgeschüttet. Wusstest Du, dass es zwischen sechs und bis zu zehn Tage dauern kann, bis der Adrenalinspiegel wieder auf Normalhöhe ist? Gerade, wenn Du Deinen Hund im Hundesport führst, ist das eine wichtige Information für Dich. Denn steht Dein Hund jeden Tag auf dem Platz und hat Stress, hat Dein Hund keine Möglichkeit, davon runter zu kommen.

Die Folgen sind sehr deutlich: Hyperaktive, reaktive und zum Teil aggressive Hunde, die nur noch einen Tunnelblick haben. Im Agility beispielsweise fallen die Stangen, weil Dein Hund sich nicht mehr konzentrieren kann, die Verletzungsgefahr steigt und Dein Hund reagiert nicht mehr auf Deine Kommandos und Anweisungen.

Unterwegs Ruhepausen einlegen
Sofern sich eine starke Stresssituation nicht vermeiden ließ, achte die Tage danach darauf, dass ihr es ruhiger angehen lasst.

Sollte Dein Hund also – aus welchen Gründen auch immer (zum Beispiel Turniere, Geburtstage mit vielen Menschen, einen Umzug in eine neue Umgebung, etc) einen hohen Stresspegel haben, solltest Du unbedingt darauf achten, dass es in den nächsten Tagen ruhiger und entspannter zugeht. Gestalte Deine Spaziergänge ruhig, sorge für ausreichend Schlaf und lasse Deinen Vierbeiner im wahrsten Sinne des Wortes „runter kommen“. Dies ist übrigens auch ein wichtiger Tipp für Hundebesitzer, deren Hunde jedes Jahr sehr unter Silvester leiden: Auch wenn das Verlangen, den Hund richtig auszulasten groß ist. Lasse es langsam angehen!

Stress beim Hund erkennen

Nun hast Du erfahren, wie Du Stress erkennen kannst, was Stress beim Hund auslösen kann und was Stress überhaupt ist. Das wichtigste ist nun aber, dass Du lernst, Deinen Hund zu lesen und die Situationen richtig einzuschätzen – und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Muss Dein Hund wirklich mit fünf anderen Hunden zwei Stunden Vollgas spielen? Muss er wirklich jeden Tag auf dem Hundeplatz stehen und Leistung bringen? 

Es ist außerordentlich wichtig, einen individuellen Blick auf den eigenen Hund zu werfen. Zeigt er Signale für Stress? Was für den einen Hund ausreicht für Stress, ist dem nächsten Hund vielleicht ganz egal und andersrum. Zum Teil ist Anfälligkeit für Stress sicherlich auch rassebedingt. Ein Australian Shepherd ist wesentlich reizsensibler als beispielsweise ein eher entspannter Bernersennenhund. Und auch das ist pauschalisiert, denn es gibt natürlich sehr entspannte Aussies und sicherlich auch aufgeregtere Bernersennenhunde.

Du musst also für Deinen Hund entscheiden, wie viel verträglich ist und wann eine dringende Pause nötig wird. Achte auf die Symptome, die ich Dir oben genannt habe und höre auf Dein Bauchgefühl.

Wie gehe ich mit Stress beim Hund um?

Im nachfolgenden möchte ich Dir ein paar Lösungsansätze aufzeigen. Diese möchte ich gerne in drei Unterpunkte unterteilen: Dem Vorbeugen von Stress beim Hund, dem Abbauen und dem Vermeiden. Sicherlich kannst Du nicht immer jeden Stress vermeiden oder Vorbeugen, deswegen ist die Mischung aus diesen drei Punkten wichtig.

Lasse Deinen Hund gesundheitlich abchecken

Sollte Dein Hund dauerhaft gestresst sein, sollte Dein erster Weg zum Tierarzt führen. Denn dies kann auch gesundheitliche Gründe haben. Hunde mit Schilddrüsenfehlfunktionen neigen beispielsweise zu gestresstem Verhalten.

Eine weitere große Hilfe kann für Dich ein Verhaltenstherapeut speziell für Hunde sein. Dieser kann gezielt und individuell auf Euch eingehen und helfen.

Stress vorbeugen und vermeiden

Bevor Dein Hund bei Dir einzieht, kannst Du bereits bei der Wahl Deines Hundes die richtigen Weichen setzen. Mira stammt zum Beispiel ursprünglich aus keiner gesunden Zucht. Die Welpen wurden nicht ausreichend sozialisiert. Sie wurde einfach an eine Familie weiter vermittelt, die eine Familienkutsche wollte und einen schnellen Sportwagen bekam. In dieser Familie wurde dann im Prinzip auch noch alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte.

Achte also beim Kauf darauf, dass die Rasse zu Dir passt. Schau Dir, wenn möglich, die Elterntiere an: Ist die Mutter entspannt? Wie ist der Ablauf in der Familie? Ich wurde sehr häufig angesprochen, ob Mira nicht mal einen Wurf haben könnte – jeder wollte einen Welpen von ihr. Ich habe mich sehr früh dagegen entschieden. Durch ihre schlechte Prägung in den ersten wichtigsten Lebensmonaten hätte sich dies an die Welpen übertragen. Und auch wenn ich Mira wirklich von ganzem Herzen liebe – mehr Miras auf dieser Welt braucht es definitiv nicht 🙂

Zieht ein Welpe bei Dir ein, ist es wichtig, weiter daran zu arbeiten. Dein Hund früh lernen, Frust auszuhalten. Ein Hund sollte somit eine Frusttoleranz erlernen, um später mit Enttäuschungen oder aufgeschobenen Erwartungen umgehen zu können. Außerdem solltest Du selbstverständlich immer konsequent sein, damit sich Dein Hund auf Dich verlassen kann. Denn Vertrauen ist eine sehr gute Basis für einen entspannten Hund.

Ruhephasen sind wichtig

Bereits von Anfang an solltest Du darauf achten, dass Dein Hund Ruhe lernt und Ruhephasen auch einhält. Ein Hund benötigt mindestens 18 Stunden Schlaf – je nach Alter und Hund sogar mehr. Hierdurch können Sie Reize verarbeiten und kompensieren. Trainiere also von Anfang an mit Deinem Hund, dass er sich diese Ruhephasen auch nimmt. Dies ist sicherlich am Anfang nicht einfach – gerade, wenn Du einen Welpen hast, der die Welt entdecken möchte. Aber Du wirst für diesen Ratschlag dankbar sein.

Stress beim Hund - Sorge für Ruhe
Ausreichend Ruhephasen sind wichtig. Hierzu sollte Dein Hund ein kuscheliges Örtchen als Rückzugsort haben. Achte aber auch unterwegs auf Ruhepausen.

Die richtige Beschäftigung

Achte auch auf eine artgerechte, vernünftige Beschäftigung. Drei Stunden wild mit anderen Hunden durch die Gegend flitzen muss nicht immer sein. Auch der Ball, der ein ums andere Mal geworfen wird, ist keine gute Beschäftigung. Das heißt nicht, dass ich es als No Go ansehe, aber es muss sich die Waage halten. Häufig wird zwar extrem auf die körperliche Auslastung geachtet, aber keineswegs darauf, den Kopf auszulasten. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel kannst Du Intelligenzspielzeuge nutzen, Du kannst mit ein paar einfachen Tricks anfangen, Deinen Hund im Haushalt einbinden, das Such verloren Spiel nutzen, um auch die Nasenarbeit zu fördern. Wie Du siehst, gibt es viele tolle Möglichkeiten, Deinen Hund auch ohne Stress auszulasten und mit ihm gemeinsam Spaß zu haben. Denn erarbeitet Ihr gemeinsam etwas, fördert das Eure Bindung und gibt Deinem Hund mir Sicherheit, dass er sich auf Dich verlassen kann.

Außerdem solltest Du auch auf den Ort achten. Verbindet Dein Hund mit der Wohnung Spiel, so hat er es schwerer, runter zu kommen. Gleiches gilt aber auch für draußen: Ist unterwegs immer „Party“ angesagt, wird er schon Stress empfinden, wenn Ihr die Wohnungstür verlasst. Baue also auch draußen immer mal wieder Ruhemöglichkeiten ein. Setze Dich doch auf dem Spaziergang einfach mal auf eine Bank und genieße die Umgebung.

Muskelaufbau und Balancetraining

Auch einfache Übungen zum Muskelaufbau und Balancetraining sind tolle Übungen, die Deinen Hund geistig und körperlich auslasten und zudem noch etwas für seine Gesundheit tun. Diese müssen nicht erst gemacht werden, wenn Dein Hund bereits verletzt ist, sondern sind außerdem eine tolle Vorbeugung und halten Deinen Hund gesund und fit.

Schaffe positive Erfahrungen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Du möglichst schon früh Deinem Hund viele positive Erfahrungen bietet. Verknüpft er die Sachen schon früh gut, macht ihn dies stressresistent. Aber achte bitte darauf, dass Du ihn nicht schon als Welpe einer absoluten Reizüberflutung aussetzt.

Ich merke jedoch bei Mira immer wieder, dass sie bei den Vorbesitzern zu wenig kennen gelernt hat. Als sie bei mir einzog, war sogar Wind in den Bäumen zu viel für sie. Sie konnte nie gewisse Situationen generalisieren. 

Desensibilisierung

Sollte es bestimmte Situationen geben, bei denen Dein Hund extrem gestresst ist, kannst Du Deinen Hund langsam an den Stressauslöser heran führen. Und wenn ich langsam schreibe, meine ich es auch. Achte auf ausreichend Abstand. Führst Du ihn heran, gehe behutsam vor, denn kommt Dein Hund unter Stress, bist Du schon einen Schritt zu weit gegangen. Hierdurch kannst Du Deinen Hund langsam daran gewöhnen. Natürlich klappt das nicht immer und es benötigt sehr sehr viel Geduld.

Bewerte, ob eine Situation Deinen Hund überfordern könnte

„Da muss der halt mal durch!“ – Vielleicht kennst Du ja diesen Satz. Sicherlich gibt es Dinge, wo der Hund mal durch muss. Tierarztbesuche bedeuten auch meist Stress und können deswegen dennoch nicht umgangen werden.

Aber Du musst Deinen Hund nicht durch alle Situationen „zwingen“. Wenn es bestimmte Situationen gibt, die Deinen Hund extrem beängstigen, kannst Du diese natürlich meiden. Ich bin der festen Überzeugung, dass kein Hund mit auf einen Weihnachtsmarkt geschleppt werden muss, damit er es „halt mal lernt“.

Sofern es Euren Alltag nicht zu sehr beeinträchtigt, könnt Ihr also gewissen Stressfaktoren einfach aus dem Weg gehen. Daran ist nichts schlimmes – nicht jeder Hund muss alles können! Mira hat unglaublichen Stress, wenn die Schranke vom Bahnübergang in unserer Nähe runter geht. Früher meinte ich immer, es trainieren zu müssen, damit sie irgendwann mal entspannt dabei ist. Ich hatte einige Trainer hier, doch nichts half. Ich habe für mich beschlossen, es nicht mehr zu trainieren und die geschlossene Schranke zu meiden. Es beeinträchtigt uns nicht sehr in unserem Alltag und ist somit für mich absolut vertretbar.

Gesunde Ernährung

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist wichtig, damit Dein Hund ausreichend Nährstoffe hat. Denn verschiedene Aminosäuren sind als Botenstoffe wichtig, damit Serotonin und Melatonin gebildet werden kann. Bei Mira merkte ich eine deutliche Verbesserung als ich auf AniFit Hundefutter umgestellt habe.

Stress beim Hund richtig abbauen

Wie ich (glaube ich nun schon mehrfach 🙂 ) erwähnt habe, kannst Du Stress nicht immer vermeiden. Es wird immer mal Situationen geben, bei der Stress aufkommt. Wichtig ist einfach, wie Du damit umgehst. Deswegen gebe ich Dir ein paar Tipps mit auf den Weg, die uns geholfen haben und bestimmt auch Euch helfen können.

Viel Ruhe und Schlaf

Das ist für mich der wichtigste Tipp. Sorge dafür, dass Dein Hund seine Ruhezeiten einhält. Natürlich kommt es nicht auf eine Minute an, aber gerade nach Tagen, an denen mehr los war, solltest Du an den darauf folgenden Tagen für ausreichend Schlaf sorgen. Sehr hilfreich hierbei ist es, wenn Dein Hund einen bestimmten Ort als seinen Rückzugsort akzeptiert. Zum Beispiel eine Hundebox, eine bestimmte Decke oder ein Hundebett. Damit Dein Hund auch anderen Orten entspannt ist, kann ich Dir nur empfehlen, mit Deinem Hund ein Deckentraining aufzubauen. Wie das geht, erkläre ich Dir in meinem Beitrag zum reaktiven Hund hier.

Achte auf Dein eigenes Verhalten

Ist Dein Hund aufgeregt, solltest Du um so entspannter reagieren. Versuche Deinen Hund, aus der unangenehmen Situation heraus zu holen – selbstverständlich ohne Druck oder gar Bestrafung. Sofern Du selbst in der Situation gestresst bist, atme drei Mal tief durch und denk an was schönes (mir hilft das zumindest immer). 

Hast Du einen schlechten Tag, gehe nicht ins Training. Belasse es einfach bei einem entspannten Spaziergang.

Lecken / Kauen baut Stress ab

Ist Dein Hund gestresst, kann es ihm helfen, wenn Du ihm etwas zum Kauen oder zum Lecken anbietest. Denn dies beruhigt. Toll sind zum Beispiel gefüllte Kongs, Leckmatten oder einfach ein guter Kauartikel, mit dem sich Dein Hund beschäftigen kann.

Stress beim Hund - Lecken beruhigt und entspannt
Lecken (und auch Kauen) entspannt und beruhigt. Vielleicht wäre ja eine Leckmatte etwas für Euch?

Achte auf eine ruhige Bewegung

Fängst Du nun an, mit Deinem Hund wie wild zu zergeln oder den Ball zu werfen, wird das den Stresspegel noch weiter steigern. Deswegen solltest Du nun zu ruhigeren Beschäftigungsmöglichkeiten greifen. Einige Möglichkeiten habe ich Dir oben schon beschrieben. Geht Dein Hund gerne schwimmen? Dann mach mit ihm einen entspannten Spaziergang am See. Auch etwas Nasenarbeit (ein paar Tipps dazu findest Du in meinem Artikel Hund bei schlechtem Wetter auslasten) sind hilfreich. Außerdem stärken diese Einheiten Eure Bindung.

Konditioniere ein Entspannungswort

Das mag vielleicht komisch klingen, aber Du kannst Deinem Hund auch „Entspannung auf Kommando“ beibringen. Hierbei konditionierst Du ein Wort über einen längeren Zeitraum, welches Dein Hund dann später mit Entspannung verbindet. Dies dauert natürlich. Es ist somit hilfreich, es schon früh anzufangen. Außerdem solltest Du es immer wieder auffrischen.

Massage

Lässt Dein Hund sich gerne streicheln? Dann kann auch eine Massage für Deinen Hund pure Entspannung sein. Inzwischen werden hier Kurse von vielen Tierphysiotherapeuten angeboten. 

Stress beim Hund mit Massage lösen
Neben vielen verschiedenen Massage-Techniken und der Tellington Touch Methode, kannst Du Deinen Hund auch mit einem Massageigel massieren – dies regt zugleich die Durchblutung an.
Übe aber keinen Druck aus, sondern lasse den Ball einfach nur leicht über Deinen Hund rollen. Verbleibe niemals an einer Stelle lange und massiere bitte auch nicht auf Knochen.

Fazit zum Stress beim Hund

Zu viel Stress ist nicht nur für den Menschen, sondern auch für Deinen Vierbeiner schädlich – so viel steht fest. Es liegt an Dir, dafür zu sorgen, dass Du Stress vorbeugst, vermeidest und abbaust. Solltest Du selbst damit überfordert sein, ist das nicht schlimm. Suche Dir aber dann professionelle Hilfe. So kannst Du Deinem Hund ein entspanntes und langes Hundeleben bescheren.

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