Territorialverhalten beim Hund – Verstehen und richtig trainieren

Territorialverhalten beim Hund

Territorialverhalten beim Hund ist erstmal nichts ungewöhnliches. Die Ursprünge hierfür liegen in den Genen Deines Hundes. Da der Hund vom Wolf abstammt und auch dieser sein Territorium absteckt und verteidigt bzw. beschützt, ist dieser Instinkt auch in unseren heutigen Hunden verankert. Hierbei zeigen einige Hunderassen – durch Selektion – ein deutlicheres Territorialverhalten und andere weniger. Aber was ist, wenn dieses Verhalten aus Kontrolle gerät? Ich helfe Dir heute, territoriales Verhalten zu verstehen und damit umzugehen.

Deswegen ist Territorialverhalten beim Hund kein Fehlverhalten

Für mich steht vor einem Trainingsansatz als erster Punkt das Verstehen. Denn ein natürliches Verhalten „abzutrainieren“ ist aus meiner Sicht sinnlos. Vielmehr ist dann die Fragestellung wichtig, wie ich mit einem solchen Verhalten umgehe und ob ich es umlenken kann. Denn das Territorialverhalten beim Hund entsteht, weil er seine Liebsten beschützen möchte und Sorge hat, dass der Eindringling etwas „Böses“ will.

Das Territorialverhalten beim Hund liegt ist genetisch veranlagt. Wie Du weißt, stammen unsere heutigen Hunderassen alle vom Wolf ab. Zwar haben sich unsere Hunde in den Jahrhunderten durch die Domestikation deutlich weiterentwickelt, aber grundlegende Instinkte sind nach wie vor tief verankert.

Zusätzlich darfst Du nicht vergessen, dass fast alle gängigen Hunderassen früher einen Job hatte. Sie wurden nicht nur als Freund und Begleiter gehalten, sondern brachten dem Menschen auch einen Nutzen. Hierfür wurden bestimmte Verhaltensweisen selektiert bzw. aussortiert, sodass gewisse Hunderassen auf Aufgaben spezialisiert wurden (zum Beispiel der Australian Shepherd zum Treiben und Hüten usw.). Gerade zu Beginn des Zusammenlebens zwischen Mensch und Hund wurde dieser hauptsächlich deswegen domestiziert, damit der vierbeinige Freund das Revier vor Eindringlingen verteidigt und auf Gefahren aufmerksam macht.

Woran erkenne ich Territorialverhalten beim Hund?

Ein sehr typisches territoriales Verhalten ist natürlich, wenn Dein Hund das Grundstück verteidigt und Eindringlinge nicht in den Garten oder in das Haus / die Wohnung lassen möchte. Das bezieht sich auf Menschen, aber auch durchaus auf andere Hunde. Sehr bekannt ist das Postboten-Problem – welches sich auch sehr häufig aufgrund territorialer Aggression entwickelt. Denn der Eindringling wagt es, jeden Tag wieder zu kommen und so steigert sich Dein Hund auch immer weiter hinein.

Aber das sind nicht die einzigen Punkte, an denen Du das Territorialverhalten erkennen kannst. Denn nicht immer Grenzen Hunde das Revier nur auf unsere „eigenen vier Wände“ (oder eben Zaunpfosten) ein. Auch die Gassistrecke in der Nähe Deines Zuhauses können durchaus als Revier angesehen werden. Ich merke ganz deutlich, dass Mira auf den Strecken nahe an unserem Haus wesentlich mehr auf andere Hunde und Menschen reagiert als woanders!

Sollte Dein Hund also beim Spazieren gehen an fremden Orten sehr entspannt sein und in der Nähe Eures Heims zum Leinenpöbler mutieren, extrem oft markieren oder angespannt sein, weist dies auch auf ein ausgeprägteres Revierverhalten bei Deinem Hund in.

Auch das Auto kann als „Revier“ angesehen und verteidigt werden.

Übrigens gibt es Abstufungen hierbei: So tolerieren manche Hunde Hunde des gleichen Geschlechts nicht oder bestimmte (fremde) Hunde.

Warum pöbelt mein Hund in der Nähe unseres Zuhauses besonders viel?

Nehmen wir mal an, Du bekommst Besuch. Du kennst diesen Besuch gut, Dein Hund aber noch nicht. Somit ist dieser Besuch für Deinen Hund ein fremder Eindringling. Gibst Du Deinem Hund dann keine Hilfestellung bzw. konkrete Richtlinien, fühlt er sich in der Pflicht, die Aufgabe zu übernehmen.

Territorialverhalten beim Hund
Mira ist wesentlich entspannter, wenn wir nicht direkt in der Nähe unseres Hauses und Gartens spazieren gehen. Dann laufen auch Hundebegegnungen entspannter ab.

Dann gehen wir mit unseren Hunden spazieren und unterschreiten häufig die Individualdistanz, die unsere Hunde benötigen: Also den Abstand zu anderen Hunden. Stell Dir vor, ein fremder Mensch würde einfach so durch Deinen Garten laufen? Wäre das für Dich in Ordnung? Hunde mit einem ausgeprägten Territorialverhalten betrachten es als absolute Frechheit, dass andere Hunde durch „ihr Revier“ streichen und Botschaften durch das Markieren hinterlassen. Dies wirkt auf sie provokativ und somit sind sie wesentlich gereizter und angespannter.

In unserem Dorf gibt es drei Hunde, bei denen Mira jeglichen Verstand verliert. Sie ist nicht mehr ansprechbar und ich merke, wie die Wut in ihr schäumt. Tatsächlich habe ich bei diesen drei Hunden inzwischen die Strategie der Vermeidung gewählt. Ich gehe ihnen großflächig aus dem Weg, soweit möglich.

Territorialverhalten versus territoriale Aggression

Territorialverhalten ist (ich weiß, ich wiederhole mich 🙂 ) also erstmal „normal“. Aus meiner Sicht kannst Du nicht beeinflussen, ob es da ist oder nicht. Entweder bringt Dein Hund dieses Verhalten sehr ausgeprägt mit oder kaum spürbar oder er bewegt sich im Mittelfeld. Bei Welpen ist das territoriale Verhalten noch nicht wirklich deutlich Es beginnt, sich mit der Pubertät und somit der Geschlechtsreife deutlicher auszuprägen.

Problematisch wird es dann, wenn Dein Hund sein Territorium unangemessen bewacht und sich auch von Dir diese Aufgabe nicht nehmen lässt. Dann spricht man von territorialer Aggression.

Du kannst also nicht dafür Sorgen, dass Dein Hund Territorialverhalten zeigt. Sehr wohl kannst Du aber das Aggressionsverhalten darauf bezogen beeinflussen.

Wie gehe ich mit territorialem Verhalten beim Hund um?

Nun fragst Du Dich vielleicht, was Du überhaupt machen kannst, wenn man es eh nicht „wegtrainieren“ kann? Das Zauberwort hierbei heißt Management. Zum einen solltest Du vorausschauend denken und handeln, dass es gar nicht erst zu gefährlichen Situationen kommt. Zum anderen solltest Du Deinem Hund die Verantwortung abnehmen. Dein Hund soll lernen, Dir die Kontrolle zu überlassen, sodass er selbst entspannen kann. Wie Du das machst, erkläre ich Dir gerne.

Achte auf die Position des Schlafplatzes

Hunde, die sehr Territorial veranlagt sind, neigen zudem dazu, alles zu kontrollieren. Deswegen ist es sehr ungünstig, wenn der Schlafplatz so gestellt ist, dass Dein Hund den Flur und gegebenenfalls auch andere Zimmereingänge kontrolliert. Daher solltest Du sein Körbchen an möglichst so stellen, dass Dein Hund nicht die Möglichkeit hat, Türen – und Dich – zu kontrollieren!

Territoriales Verhalten: Achte auf die Position des Schlafplatzes!
Achte unbedingt darauf, dass Dein Hund von seinem Schlafplatz nicht alles kontrollieren kann. Deswegen sollte Dein Bettchen nicht im Flur oder einem anderen „Kontrollpunkt“ stehen.

Geeignet ist eine ruhige Ecke, von der aus Dein Hund die Türen nicht im Blick hat. Hierdurch sorgst Du auch dafür, dass Dein Hund entspannter schläft.

Deckentraining

Bringe Deinem Hund bei, dass er sich auf ein Kommando auf eine Decke, in eine Box oder auf seinen Schlafplatz zurück zieht. Hier sollte er auch bleiben bis Du ihn frei gibst.  Sollte Dein Hund Besuch extrem angehen, kannst Du ihm zusätzlich auch beibringen, dass er entspannt in einem anderen Raum bleibt.

Selbstverständlich solltest Du dieses Training mit viel Geduld aufbauen, damit Du Dich auch darauf verlassen kannst. Es ist nicht in ein zwei Trainingseinheiten gemacht.

Wie Du das Deckentraining richtig aufbaust, habe ich als Gastautorin auf pfoten.net erklärt. Du findest den Beitrag hier: Deckentraining.

Du begrüßt Besuch immer zuerst!

Häufig dürfen die Hunde immer mit an die Tür und Besucher zuerst begrüßen. Das solltest strikt unterbunden werden. Du alleine öffnest die Tür und begrüßt den Besuch. Dein Hund sollte in dieser Zeit auf einem zugewiesenen Platz warten (siehe Deckentraining). Erst wenn Ruhe eingekehrt ist, darf Dein Hund – nach Freigabe von Dir – den Besuch begrüßen (sofern er freundlich ist). Findet die Begrüßung ohne Spannung am Anfang ab, sondern entspannt etwas später, nimmt das Deinem Hund schon häufig viel Energie und Druck!

Fremde Menschen sollten nicht ohne Dich das Haus betreten

Ein Fremder ist für Deinen Hund ganz klar ein Eindringling! Das bedeutet, dass er das Haus vor ihm verteidigen wird. Dies gilt natürlich auch für Handwerker und andere Besucher. Solltest Du nicht zu Hause sein, sollte auch niemand anderes das Haus einfach so betreten dürfen.

Das kann nicht nur für den Besuch böse enden, sondern bestätigt Deinen Hund zudem in der Auffassung, er muss sich um die Verteidigung des Reviers kümmern!

Es klingelt an der Tür

Zeigt Dein Hund Territorialverhalten, wird er vermutlich auch bellen und aufgeregt sein, wenn es an der Tür klingelt. Hier kannst Du sehr gut mit einer Mischung aus dem Deckentraining und Desensibilisierung arbeiten.

Wenn Du Deine Klingel per Funk auslösen kannst, benötigst Du keine weitere Person. Ansonsten lasse Dich von jemandem unterstützen. Zuerst sollte Dein Hund bereits sehr sicher im Deckentraining sein. Später löst Du dann die Klingel aus und schickst Deinen Hund auf seinen zugewiesenen Platz. Dein Hund lernt so zudem, dass es nicht immer Aufregung bedeutet, wenn es mal an der Tür klingelt. Denn nun passiert ganz oft nichts, weil Du nur zum „Schein“ klingelst.

Sollte Dein Hund beim Klingeln auch ruhig bleiben, kannst Du auch langsam mit Besuchern anfangen. Denke aber an die anderen genannten Punkte.

Sichere Deinen Hund

Denke daran, dass Sicherheit immer vorgeht! Sollte Dein Hund also deutliches Territorialverhalten bis hin zur territorialen Aggression zeigen, musst Du ihn sichern! Du kannst hierzu beispielsweise eine Leine nutzen. Um ganz sicher zu gehen, ist ein Maulkorb gut. Bedenke aber hierbei bitte: Auch ein Maulkorb sollte langsam und positiv konditioniert werden. Ihn Deinem Hund einfach überzuziehen, ist unfair und wird Spannungen nur noch verstärken!

Alternativ kannst Du statt mit einer Decke auch mit einer Hundebox arbeiten. Auch diese sollte Dein Hund vorher erst kennenlernen und darin entspannen können. 

Beziehe Deine Familie ein

Wichtig ist, dass beim Training alle an einem Strang ziehen. Dein Hund soll lernen, dass Ihr die Lage vollkommen im Griff habt. Daher solltest Du darauf achten, dass alle sich an die Regeln halten – auch Deine Kinder (sofern Du welche hast). Nur so könnt Ihr Konsequenz demonstrieren und Eurem Hund die Sicherheit geben, Aufgaben Euch zu überlassen.

Da ich mit Mira alleine lebe, ist das für mich ein Vorteil. Somit kann bei mir niemand die Regeln boykottieren, weil Mira gerade besonders niedlich schaut 🙂

Territorialverhalten – Dein Hund wufft oder reagiert auf Geräusche

Sollte Dein Hund wuffen, weil er bestimmte Geräusche gehört hat, könntest Du es ihm natürlich auch verbieten. Dein Hund wird es aber wahrscheinlich nicht verstehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich besser damit fahre, das Geräusch für Mira zu kontrollieren. Das sieht im Detail so aus, dass ich zum Beispiel aufstehe, aus der Wohnzimmertür schaue, wieder zurück gehe und dann sage „Es ist alles in Ordnung“. 

Ich nehme Mira somit das Kontrollieren ab und zeige ihr, dass ich die Lage im Griff habe.

Territorialverhalten im Garten

Ein weiteres Problem bei uns war, dass Mira, wenn sie in den Garten durfte, sofort los geschossen ist und im Garten aufgeregt rumgepöbelt hat. Das war nicht nur nervig für mich (und vermutlich auch meine Nachbarn 😉 ), sondern Mira hat sich auch jedes Mal hochgefahren.

Also durfte sie nur noch bei Freigabe in den Garten. Eigenständig durfte sie nicht durch die Terrassentür. Ich bin immer zuerst in den Garten gegangen. Für sie sichtbar habe ich dann den Garten kontrolliert und erst „wenn die Luft rein war“, habe ich sie in den Garten gerufen. Also habe ich ihr Sicherheit gegeben, denn ich habe das Revier gecheckt. Das Pöbeln hörte sehr schnell auf.

Territoriales Verhalten im Garten
Mira bleibt im Garten nicht alleine. Sie würde umgehend damit anfangen, den Garten zu kontrollieren und bei Geräuschen an der Straße zu bellen oder sich aufzuregen.
Deswegen kontrolliere ich den Garten und nehme ihr somit ihre Aufgaben ab. Das gibt ihr Sicherheit und sie kann entspannen!

Zudem sollte Dein Hund auch im Garten einen festen Platz haben, an dem er zur Ruhe kommen und liegen kann. Du kannst hier auch mit dem Deckentraining arbeiten oder Deinen Hund durch eine Leine einschränken (oder beides). Häufig geben Hunde, die räumlich eingeschränkt werden, sehr schnell Verantwortung an den ab, der sich frei bewegt (also Du).

Mira darf auch nicht alleine im Garten sein, ohne dass sie eingeschränkt ist. Sie würde sofort wieder die Aufgabe übernehmen, den Garten zu bewachen.

Laste Deinen Hund körperlich und geistig aus

Ist Dein Hund zufrieden und ausgelastet, sucht er sich nicht so schnell andere Aufgaben. Dabei sollte die körperliche und geistige Auslastung im Einklang stehen und an die Rasse Deines Hundes und das Alter angepasst werden.

Es gibt viele tolle Möglichkeiten, Deinen Hund zu beschäftigen. Einige Tipps findest Du auch auf meinem Blog, wie zum Beispiel das Such verloren Spiel, Indoorbeschäftigungen oder Intelligenzspielzeuge.

Fazit Territoriales Verhalten – nichts für schwache Nerven

Wie Du siehst, steckt sehr viel Management und Training in einem sehr stark territorialen Hund. Mich hat das Training ehrlich gesagt schon viele Nerven gekostet und ich musste auch schon häufig umdenken. Auch heute ist es noch wesentlich anstrengender für mich, direkt am Haus spazieren zu gehen als woanders. 

Nach wie vor muss ich darauf achten, wer das Haus betritt und wie. Mira wird nie ein Hund sein, der freudestrahlend Besucher begrüßt. Ich habe gelernt, mit dem Territorialverhalten von ihr umzugehen und es zu akzeptieren. Das bedeutet für mich, immer vorausschauend zu denken. Du brauchst Dich also dafür nicht schämen! Leider sind einige Menschen immer noch der Auffassung, ein Hund muss jeden mögen und alles tolerieren. Dem ist aber eben nicht so. Unsere Hunde haben Instinkte und Bedürfnisse und es liegt an uns, diese zu lenken.

Übernehme daher die Verantwortung und Kontrolle und Euer Zusammenleben wird entspannter werden.

Außerdem ist mir sehr wichtig, an dieser Stelle zu erwähnen, dass ich keine Hundetrainerin bin. Ich berichte nur aus meinen Erfahrungen mit einem durchaus anspruchsvollen und reaktiven Hund. Solltest Du also merken, dass die Erziehung Deines Hundes aus dem Ruder läuft oder Du Unterstützung benötigst, wende Dich bitte an einen erfahrenen Hundetrainer. Es ist nicht schlimm, um Hilfe zu fragen. Es wäre aber schlimm, wenn etwas passiert, dass Du vorhersehen und verhindern könntest.

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