Such verloren – die praktische Nasenaufgabe für Deinen Hund

Such verloren

Verlierst du auch häufiger unterwegs Gegenstände? Oder lässt Leine, Objektivdeckel oder Schlüssel irgendwo liegen und musst dann panisch danach suchen? Mir passiert das regelmäßig und deswegen habe ich Mira in wenigen Schritten „Such verloren“ beigebracht. Nun muss sie zwar meine Schusseligkeit ausbaden, hat aber dafür eine tolle artgerechte Beschäftigung, bei der sie ihre feine Nase einsetzen kann.

Such verloren – was ist das Ziel?

Das Ziel von Such verloren ist ganz einfach: Wenn Du etwas verlierst, soll es Dein Hund suchen. Er soll selbstständig und systematisch eine Fläche absuchen, um einen Gegenstand zu finden, der nach Dir riecht.

Das ist nicht nur für Dich praktisch, wenn Du mal etwas liegen gelassen oder verloren hast, sondern lastet auch Deinen Hund aus. Nasenarbeit ist wesentlich anstrengender und intensiver für Deinen Hund als bloßes Toben oder normales Spazieren gehen.

Such verloren – welche Gegenstände kann Dein Hund suchen?

Im Prinzip kann Dein Hund alles das suchen, was nach Dir riecht, sei es nun ein Schlüssel, ein Objektivdeckel (passiert mir sehr häufig, dass ich beim Fotografieren den Deckel irgendwo hinlege, die Position wechsle und ihn dann nicht wieder finde oder vergesse), die Leine oder andere Dinge. Dein Hund wird bei Such verloren also nicht auf einen bestimmten Gegenstand geprägt, sondern soll nach Sachen suchen, die Deinen Geruch haben.

Such verloren – für welche Hunde ist es geeignet

Eigentlich sind für das Such verloren alle Hunde und Hunderassen geeignet. Dein Hund sollte allerdings Spaß an der Nasenarbeit haben und motiviert sein. Ich kenne aber auch einige wenige Hunde, die man hierfür nicht begeistern kann. Der Saluki eines Freundes würde mir hierbei mit großer Sicherheit den Vogel zeigen und mich selbst suchen lassen. 

Welpen sollten aus meiner Sicht Such verloren nicht direkt lernen. Hier stehen erst einmal andere Dinge im Mittelpunkt. Mit ein paar Monaten Lebenserfahrung darfst Du aber gerne beginnen. Auch ältere Hunde oder Hunde mit Handicaps haben häufig Spaß an diesem Suchspiel.

Such verloren
Such verloren macht sehr vielen Hunden Spaß, aber sicherlich nicht jedem. Beachte das bitte.

Apportieren oder Anzeige?

Vorab solltest Du Dir überlegen, ob Dein Hund das Objekt der Begierde apportiert oder anzeigt. Entscheidest Du Dich für das Anzeigen, solltest Du Dir Gedanken darüber machen, wie er es Dir anzeigen soll? Im Mantrailing ist eine typische Anzeige das Absitzen vor der gesuchten Person. Im Rettungsdienst wird auch häufig durch Bellen angezeigt. Alternativ kann sich Dein Hund dort auch ablegen.

Ich habe mich für das Apportieren entschieden. Mira bringt mir den Gegenstand also. Das hat für mich den Vorteil, dass ich nicht meterweit hinterher stiefeln muss. Mira zerstört allerdings auch keine Gegenstände oder benutzt diese als Spielzeug. Sie unterscheidet sehr klar, womit sie spielen darf und womit eben nicht. Sollte Dein Hund dieses nicht können, macht eine Anzeige sicherlich mehr Sinn.

Such verloren – wie baust Du es auf?

Wir hatten den Vorteil, dass Mira das Suchen bereits aus der Dummyarbeit kannte. Sie weiß also sehr schnell, was sie zu tun hat. Also musste sie nur noch lernen, wonach sie suchen sollte. Sie sollte nun keinen bestimmten Gegenstand mehr suchen, sondern eben etwas, was nach mir roch. Da ich früher bereits bei der Dummysuche auch das Wort Dummy benutzt hatte, fiel es ihr sehr leicht, nun das Gewünschte zu unterscheiden.

Sei bitte nicht besorgt, wenn Dein Hund noch keine Erfahrung in Suchspielen habe. Auch ohne Vorkenntnisse kann Dein Hund schnell lernen, was Du Dir von ihm wünschst.

Schritt 1

Zuerst beginnst Du mit einer einfachen Übung: Du wirfst anfangs einen Gegenstand. Dein Hund darf sofort hinterher. Gerade bei Hunden, die ähnliches noch nie gemacht haben oder unsicher reagieren, solltest Du den Trieb zum Gegenstand belohnen. Wichtig hierbei ist: Nutze kein Spielzeug! Sonst könntest Du später ein Problem mit der Impulskontrolle haben oder Dir einen Balljunkie heran ziehen. Es geht einzig allein darum, dass Dein Hund freudig zum Gegenstand läuft.

Mira sucht im Garten
Trainiere zuerst in reizarmer Umgebung, zum Beispiel in Deinem Garten, sofern Du einen zur Verfügung hast.

Bringt Dein Hund bereits den Gegenstand zurück? Dann freue Dich besonders und belohne ihn ausgiebig!

Anfangs solltest Du natürlich in einem reizarmen Bereich trainieren. Dein Hund soll sich voll und ganz auf Eure Übung konzentrieren können.

Exkurs: Apportieren

Du möchtest Deinem Hund das Apportieren beibringen und weißt nicht wie? Viele Wege führen hier nach Rom. Deswegen erkläre ich Dir nun, wie ich es geschafft habe, dass Mira sehr schnell das Apportieren gelernt hat. Du brauchst hierfür einen Futterdummy, gefüllt mit guten Leckerlis – und eine Schleppleine. Die Schleppleine befestigst Du an den Futterdummy. Du kannst die andere Seite an Deinen Hund befestigen. Wenn Du in einem geschützten Bereich trainierst, ist dies aber nicht nötig.

Nun wirfst Du den Futterdummy etwas von Dir weg und animierst Deinen Hund, sich diesen zu holen. Bei vielen Hunden hilft es, wenn Du in in und her ziehst. Hat Dein Hund den Futterdummy, schaust Du kurz, ob er alleine auf die Idee kommt, ihn Dir zu bringen. Macht er das nicht, kannst Du durch die Schleppleine die Distanz verkürzen. Ziehe nicht zu fest daran – meist löst das einen Zerreffekt beim Hund aus.

Hast Du Deinen Hund erreicht, hältst Du Deine Hand unter den Dummy und wartest, bis er ihn Dir gibt. Manchmal musst Du sehr viel Geduld haben. Sobald Dein Hund Dir den Dummy übergibt, belohnst Du ihn umgehend und freust Dich. Dein Hund verknüpft so, dass er durch das Übergeben der „Beute“ auch etwas davon erhält. Später kannst Du auch das Wort „Apport“ für das Holen des Gegenstandes und „Gib“ für die Übergabe einbauen. Dein Hund sollte zudem auch lernen, dass er zukünftig den Gegenstand nur noch nach Freigabe holt. Dieses ist ein schönes Training für die Impulskontrolle.

Später benötigst Du die Schleppleine natürlich nicht mehr und kannst auch auf andere Gegenstände umsteigen.

Schritt 2

Wechsele nun den Ort. Schau, ob die Apportierübungen auch im Wald oder auf dem Feld klappen. Du solltest diese Übung an möglichst vielen verschiedenen Orten durchführen. Das empfehle ich Dir übrigens auch für alles, was Ihr trainiert. Nur so kannst Du sicher sein, dass Dein Hund wirklich verstanden hat, was Du von ihm möchtest und es nicht nur mit dem Ort verknüpft.

Schritt 3

Beim dritten Schritt lasse Deinen Hund sich ablegen oder setzen, entferne Dich sichtbar (!) einige Schritte von ihm und lege den Gegenstand (Zum Beispiel ein Schlüsseletui) auf den Boden. Merke Dir den Ort und entferne Dich wenige Schritte davon. Gib nun Deinem Hund die Freigabe mit „Such verloren“. Hierdurch lernt Dein Hund schon die Verknüpfung zum Suchen und dem Kommando.

Ganz wichtig auch hier ist es, diesen Schritt vorerst im reizarmen Bereich zu machen. Dein Hund sollte nicht abgelenkt werden, damit er die Übung auch wirklich versteht.

Um die Aufmerksamkeit Deines Hundes zu erregen, kannst Du auch vorher etwas mit ihm wedeln und ihn dann demonstrativer auf den Boden werfen. Es handelt sich hierbei nach wie vor um eine Sichtsuche. Damit Dein Hund aber versteht, dass er einen Gegenstand suchen soll, ist dieser Schritt sehr wichtig und sollte nicht übergangen werden.

Im besten Fall läuft Dein Hund nun schnurstracks zum Gegenstand, hebt ihn auf und bringt ihn Dir. Ich bin mir sicher, dass ich nicht extra erwähnen muss, dass Du nun die Party des Jahrhunderts feiern solltest 🙂

Wechsel auch jetzt bereits immer mal den Gegenstand, damit Dein Hund lernt, nicht nur nach einem bestimmten Gegenstand ausschau zu halten, sondern sich nach Deinem Geruch zu orientieren. Zu kannst zum Beispiel einen Clicker, die Leine oder auch einen Schlüssel nutzen. Viele Hunde tragen allerdings nicht gerne Metall im Mund.

Such verloren
Arbeite mit unterschiedlichen Gegenständen, damit Dein Hund lernt, dass er nicht immer das Gleiche suchen soll. Hier ein paar Gegenstände, die Du nutzen kannst.

Klappt diese Übung in einem reizarmen Bereich, darfst Du auch diesen Schritt steigern und ihn an anderen Orten trainieren.

Schritt 4

Dein Hund hat durch viele Wiederholungen, die Ihr gemacht habt, verstanden, dass Such verloren bedeutet, er soll einen Gegenstand suchen. Nun gehst Du von der Sichtsuche zur Nasensuche über. Aber übertreibe nicht direkt, sondern arbeite anfangs mit kurzen Distanzen.

Am einfachsten funktioniert es, wenn Du mit Deinem Hund ganz normal spazieren gehst. Hat er mal kurz seine Augen und Ohren nicht direkt bei Dir, lässt Du den Gegenstand fallen und gehst ein paar Schritte weiter. Dann forderst Du Deinen Hund zum „Such verloren“ auf. Hat Dein Hund alle vorher gegangenen Schritte verstanden, sollte er nun freudig und fleißig die Gegend abscannen.

Merkst Du, dass Dein Hund mit der Suche überfordert ist, gehe einfach etwas näher an den Gegenstand ran. Oft hilft es auch, wenn man den Gegenstand gezielt anschaut. Aber überlege Dir gut, wie viel Hilfe Du geben möchtest. Natürlich solltest Du nicht zu viel von Deinem Hund verlangen und einschätzen, wie weit Du gehen kannst. Aber wenn Du Deinem Hund alles vorkaust oder einen zu hohen Schwierigkeitsgrad nutzt, wird er schnell die Lust an dieser Nasenarbeit verlieren.

Tipp: Anfangs kannst Du es Deinem Hund auch etwas einfacher machen, wenn Du auf die Windrichtung achtest. Hast Du beim Ablegen / Werfen Rückenwind und Dein Hund ist vor Dir, so hat er es etwas leichter, den Geruch aufzunehmen.

Schritt 5

Dein Hund findet die gesuchten Gegenstände mit kurzer Distanz und bringt sie Dir wieder (oder zeigt diese an, wenn Du Dich für die Anzeige entschieden hast)? Prima, dann kannst Du nun die Distanz ausbauen. „Verliere“ den Gegenstand zum Beispiel mitten auf einem Feld, über das Ihr lauft und merke es erst später. 

Ein kleiner Tipp aus meiner Erfahrung ist hier vielleicht angebracht: Wenn Du einen Gegenstand wie Deinen Autoschlüssel als Suchobjekt nimmst, solltest Du Dir entweder sehr gut merken können, wo Du ihn „verloren“ hast – oder Du solltest einen sehr gut sichtbaren Gegenstand für Dich nehmen. Einen braunes Etui in Laub zu verlieren ist schwierig. Denn findet Dein Hund ihn nicht, hast Du ein Problem 🙂

Vergiss bitte nicht, dass es einiges an Training bedarf, bis Dein Hund auch so große Flächen zuverlässig absucht. Und wie in allen anderen Trainingsbereichen gilt auch hier meine Devise: Weniger ist mehr. Geh langsam vor, dafür aber sorgsam. Dann kannst Du Dir am Ende sicher sein, dass Dein Hund versteht, was Du von ihm möchtest, er motiviert bei der Arbeit bleibt und das Ganze als das versteht, was es ist: Als Spiel.

Clicker liegt im Gras
Vor allem im höheren Gras ist der Schwierigkeitsgrad angehoben. Dann muss sich Dein Hund nämlich definitiv auf seine Nase verlassen.

Such verloren – wie geht es weiter?

Nun hat Dein Hund verstanden, was Such verloren bedeutet. Baue es regelmäßig in Eure Spaziergänge ein. Wechsle die Gegenstände immer mal und vergiss bitte nicht, jedes Mal Deinen Hund zu belohnen, wenn er erfolgreich war. Belohnung ist für die meisten Hunde Motivation pur! Und höre immer dann auf, wenn es am besten ist. Auch dieses Vorgehen ist einer der größten Motivatoren.

Wenn Du Fragen zum Such verloren hast oder etwas vielleicht nicht so klappt, wie Du es Dir vorstellst, hinterlasse mir gerne ein Kommentar oder schreibe mich an. Vielleicht finden wir dann gemeinsam die Lösung, woran es hakt.

Viele weitere tolle Trainingstipps erhältst Du in der Kategorie Training. Schau gerne mal vorbei.

Folge uns

Ein Kommentar bei „Such verloren – die praktische Nasenaufgabe für Deinen Hund“

  1. […] nutzen, Du kannst mit ein paar einfachen Tricks anfangen, Deinen Hund im Haushalt einbinden, das Such verloren Spiel nutzen, um auch die Nasenarbeit zu fördern. Wie Du siehst, gibt es viele tolle […]

Schreibe einen Kommentar