Geräuschsensible Hunde (Anzeige)

Mira rollt Falsche mit Schrauben

 

Einige Hunde reagieren sensibel auf bestimmte Geräusche oder Situationen. Auch wenn für uns oft nicht ersichtlich ist, warum unsere Hunde so reagieren, merken wir doch, dass sich unser Hund unwohl fühlt. Geräuschsensible Hunde neigen zu Stress oder werden gar panisch. In meinem heutigen Beitrag zeige ich Dir einen Lösungsweg, Deinen Hund an Geräusche oder Situationen zu gewöhnen.

Ausgangssituation geräuschsensible Hunde

Viele Hunde, allen voran Hütehunde, sind häufig geräuschsensibel. Der Ursprung ist unterschiedlich. Häufig liegt es daran, dass Dein Hund in der wichtigen Prägephase zu wenig Reize kennen gelernt hat. Natürlich kann aber auch ein traumatisches Erlebnis die Ursache sein. Die nachfolgende Reaktion auf Geräusche kann sowohl Angst als auch „Angriff sein“.

Ob ein Hund eher den Weg nach hinten oder vorne wählt, ist unterschiedlich und liegt im Charakter und in den Erfahrungen des Hundes.

Gemeinsam mit der AGILA Haustierversicherung werde ich Dir in dem heutigen Beitrag einen Ansatz zeigen, wie ich mit Mira Geräusche und Situationen trainiere, die sie beängstigen.

Warum das Thema „geräuschsensible Hunde?“

Als Mira zu mir kam, war sie ein halbes Jahr alt. Sie hatte keine Reize kennen gelernt und hatte vor allem Angst – selbst Wind, der durch Sträucher fuhr, reichte, um sie aus der Fassung zu bringen.

Angst zeigt sich bei jedem Hund, wie oben bereits beschrieben, anders. Während der eine Hund versucht, sich der Situation zu entziehen (eingezogene Rute, nach hinten ausweichen, im schlimmsten Fall die kopflose Flucht), geht ein anderer Hund nach vorne, um die Situation aufzulösen (bellen, aufregen und Konfrontation). Mira hat für sich entschieden, dass Angriff die beste Verteidigung in Situationen ist, die sie ängsten. Sie ist also meist Kandidat zwei.

Allerdings macht es bei meiner Trainingsmethode keinen Unterschied, welche Problemlösung der Hund „bevorzugt“.

Die Methode zum Training von geräuschsensiblen Hunden

Die Erklärung klingt sehr plump und einfach: Ich bringe meinem Hund bei, dass er das, was ihn ängstigt, auch selbst auslösen kann. Wenn Dein Hund versteht, dass er selbst tätig werden kann und nicht hilflos einem Problem gegenüber steht, wird die Angst nachlassen und es stärkt zudem sein Selbstbewusst sein

Hund schiebt Flasche mit Nase

Selbstbewusstsein

Meist sind es gerade die Hunde, die mit solchen Baustellen zu kämpfen haben, welche unsicher sind. Souveräne Hunde gehen mit den meisten Situationen gelassen um. Ich gebe mit meiner Methode dem Hund also Selbstvertrauen und Souveränität.

Trainiert werden geräuschsensible Hunde bei dieser Methode ausschließlich positiv. Du musst kreativ werden, denn jeder Hund reagiert auf andere Geräusche und Situationen ängstlich. Dein Hund wird andere Ängste haben als meine Mira. Deswegen betrachte meinen Beitrag bitte als Anregung.

Kreativ werden – das ist also das Zauberwort. Denn ich möchte, dass sich Mira ihren Ängsten stellt und selbst motiviert an der Beseitigung ihrer Ängste mit mir arbeitet. Auf keinen Fall soll sie ihren Ängsten selbst überlassen werden.

Beispiele aus unserem Alltag

Damit Du verstehst, was ich meine, erkläre ich Dir nun die Methode an einigen Beispielen aus unserem Alltag.

Problem 1: Die klappernde Tür

Mira reagierte reaktiv auf knallende Türen. Ein Windhauch hat gereicht, die Tür klapperte und Mira explodierte. Es dauerte Minuten bis Stunden bis sie sich beruhigt hatte.

Nun könnte man penibel darauf achten, dass immer alle Türen geschlossen sind und niemals ein Windhauch ein Klappern verursacht – aber sind wir mal ehrlich: Das ist nicht möglich und hilft auch nicht bei der Bewältigung des Problems. Es wäre reines Meideverhalten.

Ich könnte mich auch hinstellen und die Tür hundert Mal hintereinander zu knallen in der Hoffnung, diese Reizüberflutung härtet sie ab (nach wie vor leider eine oft genutzte Trainingsvariante). Auch diese Methode findet bei mir keinen Anklang, da es ein sehr einseitiges Training ist und ich dadurch keine Persönlichkeitsveränderung bei meinem Hund erreiche. Ich setze ihn dauerhaft einem Stressfaktor aus ohne einen Lernerfolg zu erzielen.

Die Lösung dieses Problems war bei genauem Überdenken einfach: Ich habe Mira beigebracht, die Türen selbst zu zu „knallen“. Ein wichtiges Hilfsmittel war mir hier unser Clicker.

Jeder Hund lernt unterschiedlich schnell – und natürlich gibt es auch größere Probleme als eine klappernde Tür.

Bei unserem „Türenproblem“ dauerte es aber nur wenige Tage und Mira knallte die Türen wie ein wütender Teenager – ohne mit der Wimper zu zucken. Auch zufällig knallende Türen stören Sie seitdem nicht mehr. Und diese Sicherheit übertrug sich auch auf viele andere Situationen aus unserem Alltag.

Denn was ich mit dieser Art von Training erreiche, ist – wie oben schon erwähnt- auch eine Stärkung des Selbstbewusstseins. Ich zeige meinem Hund, dass wir gemeinsam seine Ängste besiegen können und er mit mir an seiner Seite alles schaffen kann.

Erarbeitung der Problemlösung

Um Deinem Hund beizubringen, eine Tür selbst zu schließen, bringst Du ihm als erstes bei, ein Target zu berühren (mit der Nase oder der Pfote). Jede Annäherung an das Target wird belohnt (Ob Du mit oder ohne einen Clicker arbeitest, ist Dir überlassen. Ich persönlich nutze gerne den Clicker, um punktgenau belohnen zu können). Sobald Dein Hund verstanden hat, das Target zu berühren, belege es mit einem Wort. Später näherst Du Dich dem Objekt, welches er später bewegen soll. Dieses passiert in kleinen Schritten. Irgendwann kannst Du das Target dann an die Tür halten / kleben. Alles weitere geschieht von ganz allein.

Geh langsam vor, überstürze nichts. Vergiss nicht: Dein Hund hat Angst. Bei zu schnellem Vorgehen erreichst Du das Gegenteil, Dein Hund wird unsicher und noch geängstigter.

Motivation und Anerkennung

Motiviere Deinen Hund bei der Erarbeitung des Problems und zeige Anerkennung – auch für kleine Schritte. Dieses ist bei einem unsicheren Hund unglaublich wichtig. Zeige ihm, dass er gerade das beste macht, was Du je erlebt hast.

Problem 2 : Umfallende Gegenstände

Ein weiteres Problem stellten umkippende Dinge dar. Ein Stift, der vom Tisch auf den Boden fiel, ein Besen, der zur Seite kippte, alles, was von oben auf sie drauf fallen könnte, Dosen, die beim runter fallen oder umkippen klapperten.

Erarbeitung der Problemlösung

Auch hier habe ich Mira beigebracht, das Geräusch und das Umfallen von Gegenständen selbst auszulösen:

Hund wirft Besen mit Pfote um
Mira lernt, den Besen mit der Pfote umzuwerfen.

Zuerst brachte ich ihr bei, den Besen mit der Pfote umzustoßen. Ich hielt den Besen dabei anfangs fest und sie berührte ihn mit der Pfote. Nach und nach habe ich den Besen einige Zentimeter fallen lassen und wieder aufgefangen. Auch hier bin ich in sehr kleinen Teilschritten vorgegangen. Lieber einen Schritt zu wenig als einen zu viel. Nach und nach konnte ich den Besen auf den Boden fallen lassen. Später konnte ich den Besen auch gegen die Wand lehnen und sie hat ihn umgeworfen. Mittlerweile muss ich nicht mal mehr dabei stehen.

 

Im Weiteren habe ich ein Seil an einen Besen gebunden und hinter sich her zu ziehen. Denn auch Geräusche hinter ihr ängstigten sie. Hierzu sollte Dein Hund Apportieren oder Gegenstände halten können.

Mira zieht Besen
Stolz zieht Mira den Besen hinter sich her, während ich sie dabei anfeuere und mitlaufe.

 

Zusätzlich habe ich Dosen und Flaschen mit Nägeln oder anderen klappernden Dingen gefüllt und habe diese durch sie umschmeißen und mit der Nase rollen lassen. All diese Situationen habe ich mit dem weiter oben beschriebenen Target aufgebaut. Hierbei reicht sogar ein einfacher kleiner Zettel oder ein kleines Stückchen Teppich.

Falsche mit Schrauben und Muttern
Eine von mir präparierte Flasche mit Schrauben und Muttern.

 

Wenn ich mir diesen Beitrag nun selbst durchlese, klingt es alles sehr einfach – tatsächlich war es aber viel Arbeit in Minischritten. Kleinigkeiten wurden belohnt mit viel positiver Energie, Motivation, Anerkennung und dem ein oder andere Leckerli.

Fazit

Viele Ängste kannst Du mit Deinem Hund gemeinsam besiegen, wenn Du den richtigen Weg findest. Wichtig beim Training sind Geduld, Einfühlungsvermögen, Motivation und Begeisterung und Anerkennung für die Leistung. So gibst Du geräuschsensible Hunde Selbstverstrauen und stärkst so zudem Eure Bindung. Probiere es gerne aus und sag mir, wie es bei Dir funktioniert hat. Gerne gebe ich Dir auch Anregung bei der Lösung Eurer Probleme.

Auf sleepherds.de findest Du viele weitere tolle Beiträge. Schau Dich gerne um.

 

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4 Kommentare bei „Geräuschsensible Hunde (Anzeige)“

  1. Wattebauschbaby sagt: Antworten

    Ich finde diesen Ansatz total großartig. Fair und wertschätzend dem Hund gegenüber. Zu deinem Schlusssatz: was richtig ist, hört sich einfach an und führt auch zu schnellen Veränderungen 😉

    1. Vielen Dank für Dein Kommentar. Ich freue mich sehr, dass unser Ansatz so guten Anklang findet. Viel zu oft wird noch nach veralteten Methoden trainiert. Dabei gibt es inzwischen andere Wege, die auch jede Menge Spaß bringen können. 😀

  2. […] Außerdem wird Mira auch Schläge auf den Kopf bekommen haben. Das erklärt sehr deutlich, warum ich anfangs nichts längeres in die Hand nehmen konnte ohne dass sie wahnsinnig vor Wut geworden ist. Besenstile oder lange Stöcke waren der Horror für sie – und nach wie vor reagiert sie auf einige Gegenstände ängstlich. Wie ich an diesem Problem arbeite, erfährst Du übrigens hier. […]

  3. […] hatte Dir in meinem über das Training mit geräuschsensiblen Hunden bereits schon etwas über das Training mit einem Target erzählt. Für diesen Trick kannst Du das […]

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