Bildgestaltung in der Hundefotografie – Meine Tipps!

Bildgestaltung in der Hundefotografie

In meinem ersten Beitrag über das Thema Hundefotografie habe ich Dir über meine Ausrüstung erzählt und Dir bereits einige Bespiele gegeben, wie Du Bilder mit unterschiedlichen Objektiven gestalten kannst. Aber wie ich Dir dort bereits erzählt habe, ist die Ausrüstung nicht alles. Ein Koch, der gute Zutaten hat, aber einfach nicht kochen kann, bringt auch kein gutes Essen auf den Tisch 🙂 Deswegen möchte ich Dir heute ein paar leichte Tipps zur Bildgestaltung geben, sodass Du Deine Fotos ansprechender gestalten kannst.

Bildgestaltung – technische Einstellungen

Zuerst gebe ich Dir einen kleinen, schnellen Grundkurs in Sachen Einstellungen und deren Wirkung. Für das erste möchte ich mich auf drei Einstellungen konzentrieren: Blende, Verschlusszeit und ISO.

Blende

Die Blende ist für mich eigentlich das wichtigste Element in der Bildgestaltung. Mit ihr steuerst Du die Tiefenschärfe – sprich Du entscheidest durch die Einstellung der Blende, welcher Bereich scharf gestellt werden soll. Bei der Portraitfotografie möchte man gerne, dass der Hintergrund unscharf ist, sodass Dein Hund schön frei gestellt wird. Dieses erreichst Du mit einer weit geöffneten Blende, da Du dann mehr Licht einfließen lässt und sich dieses auf den Fokusbereich konzentriert. Und nun wird es verwirrend, denn eine weit geöffnete Blende bedeutet, dass die Blendenzahl klein ist. Beispiel: Eine weit geöffnete Blende ist eine 2,0 – eine weniger weit geöffnete Blende eine 14.

Anders ist es übrigens, wenn ich möglichst auch viel vom Umfeld mit auf das Bild nehmen möchte. Achte dann darauf, dass Du die Blende nicht ganz öffnest. Auch in der Actionfotografie öffne ich die Blende nicht ganz. Hierdurch erreiche ich in starker Bewegung schärfere Bilder.

Soweit verstanden? Dann probiere Dich einfach mal aus. Teste, wie Du die Blende in verschiedenen Situationen einsetzen kannst. Übrigens: Bei der Hundefotografie setze ich selten eine offenere Blende als eine 1,8 an.

Mira liegt auf dem Waldboden
Dieses Bild entstand mit einer Blende von f2,2 , einer Verschlusszeit von 1/250, einem ISO von 500 und einer Brennweite von 85mm.
Ich habe es später sowohl in Lightroom als auch in Photoshop bearbeitet. Darauf werde ich aber in einem weiteren Beitrag eingehen.

Verschlusszeit

Mit der Verschlusszeit steuerst Du die Länge der Belichtung. Hier solltest Du zum einen darauf achten, dass die Belichtungszeit immer kürzer ist als die Brennweite, die Du nutzt – zumindest, wenn Du ohne Stativ fotografierst. Diese Faustformel soll Dir dabei helfen, dass Deine Bilder nicht verwackeln. Auch hier nenne ich Dir gerne ein Beispiel: Du fotografierst mit einem 135mm Festbrennweite Objektiv. Dann solltest Du bei der Belichtung bei wenigstens 1/200 liegen – möglichst eine noch kürzerer Belichtung.

Nun kommt es weiterhin darauf an, ob Du Deinen Hund in Bewegung fotografieren möchtest oder sitzend als Portrait. Ist Dein Hund in Bewegung, musst Du auf eine kurze Verschlusszeit achten, da sonst Deine Bilder verwackeln werden. Ein Hund, der richtig in Schwung ist, solltest Du mit 1/1200 minimum fotografieren.

Gar nicht so einfach, sich das alles zu merken oder? Aber ich kann Dir sagen: Mit der Routine prägen sich diese Einstellungen ein und Du kannst sie perfekt für eine gute Bildgestaltung nutzen. Ansonsten gibt es im Internet auch tolle Fotografenspickzettel, die man sich gut in den Kamerarucksack legen kann.

ISO

Zu guter letzt möchte ich heute noch auf den ISO eingehen. Dieser beschreibt die Filmempfindlichkeit. Nun gibt es heutzutage nur noch sehr selten analoge Kameras mit Filmentwicklung. Aber Du kannst es auch mit Lichtempfindlichkeit umschreiben. Je dunkler die Umgebung ist, je kürzer Du auch die Belichtungszeit wählen musst (und wenn auch eine geöffnete Blende nichts mehr bringt), desto höher musst Du den ISO wählen. Aber Du solltest immer mit dem am niedrigsten möglichen ISO fotografieren. Durch einen hohen ISO entsteht Bildrauschen. Das kann zwar in Einzelfällen ein tolles Bildstilelement sein, aber meistens ist es doch störend und nicht gewünscht.

Serienbildmodus

Viele Kameras bieten bereits einen Serienbildmodus an. Diesen kannst Du für Dich nutzen. So kannst Du eine Situation in kurzer Zeit gleich mehrfach fotografieren und musst nicht immer von vorne anfangen, nur weil vielleicht die Augen mal zu waren. Außerdem ist diese Funktion auch unbezahlbar bei der Actionfotografie.

Fazit zu Blende, Verschlusszeit und ISO in der Bildgestaltung

Bis auf gewisse Ausnahmen kannst Du für den Anfang am besten mit einer weit offenen Blende, einer kurzen Belichtungszeit und mit einem möglichst niedrigen ISO arbeiten. Später wirst Du eh anfangen, Deinen eigenen Weg zu entwickeln und zu spüren, wann welche Einstellungen passen. Und mal ganz ehrlich: Auch nach zwei Jahren intensivem Fotografieren versemmel ich es auch immer noch mal 🙂

Bildgestaltung – was Du bei der Fotoaufnahme beachten solltest

Nun möchte ich Dir ein paar Tipps geben, wie Du bei der Aufnahme schon darauf achten kannst, dass Dein Foto wirkt. Bitte beachte hierbei: Natürlich sind meine Empfehlungen kein Muss. Mir selbst macht es immer mal wieder Spaß, eben genau gegen diese Regeln zu verstoßen und dadurch meine Bilder anders und neu zu gestalten.

Fotografiere auf Augenhöhe

Wenn Du Deinen Hund fotografierst, dann mache die Aufnahme am besten auf Augenhöhe. Das bedeutet: Ab mit Dir auf die Knie. Auch mich siehst Du sehr oft auf dem Boden liegen, auch im Matsch – was tut man nicht alles für ein Foto 🙂 Wenn Du die Aufnahmen nämlich auf Augenhöhe machst, wirken die Bilder automatisch lebendiger.

Mira im Winter
Fotografiere auf Augenhöhe und fokussiere auf die Augen, dadurch wirken Bilder lebendig.

Natürlich sieht es auch mal süß aus, wenn Du von oben auf Deinen Dich schauenden Hund fotografierst. Auch von unten mal nach oben zu fotografieren, ist ein tolles stilistisches Mittel. Aber dennoch solltest Du Dich hauptsächlich auf die Höhe der Augen konzentrieren.

Fokussiere auf die Augen

Fokussiere beim Fotografieren immer auf die Augen Deines Lieblings. Ein Bild lebt und stirbt fast immer mit den der Schärfe der Augen. Deswegen sollte auch immer Dein eigener Augenmerk auf den Augen Deines Hundes liegen. Bei den meisten Kamera kann man über Suchfelder genauer fokussieren. Hier kannst Du am besten mal in Deiner Kamera gucken, welche Möglichkeiten Dir geboten werden.

Bildaufbau

Eines der wichtigsten Elemente der Bildgestaltung ist natürlich der Bildaufbau. Häufig wird der „Goldene Schnitt“ empfohlen. Allerdings ist aus meiner Sicht der Goldene Schnitt nicht das Wundermittel, sondern allenfalls ein Hilfsmittel. Mit dem Goldenen Schnitt wird ein Verhältnis beschrieben, was wir Menschen als harmonisch empfinden. Wirkt ein Bild harmonisch, spricht es also viele Menschen an. Du wirst in meinen Fotos häufig sehen, dass ich keinen großen Wert auf diese Bildaufteilung lege. Dennoch ist es ein guter Richtwert, um einen Bildaufbau zu verstehen.

In dem Bild siehst Du die Linien des goldenen Schnitts. Wird nun das Hauptobjekt, also in unserem Fall der Hund, auf diesen Linien platziert, wirkt das Bild für das menschliche Auge harmonisch. Wenn Du nun noch wichtige Elemente des Hauptobjekts, zum Beispiel die Augen, auf den Schnittpunkten der Linien platzierst, erzielst Du damit einen noch größeren Effekt.

Das bedeutet allerdings, dass Du entweder beim Fotografieren bereits ein unglaublich gutes Auge hast, oder das Bild in einem etwas größeren Ausschnitt fotografierst, damit Du ausreichend Platz hast, es entsprechend zu beschneiden.

Der Goldene Schnitt
Hier siehst Du den Goldenen Schnitt umgesetzt. Miras Gesichtspartie liegt direkt auf einem Schnittpunkt. Hierdurch wirkt das Foto harmonisch.

Hoch – oder Querformat?

Die Wahl des Formats ist Geschmackssache. Wenn ich möglichst viel Landschaft mit auf dem Bild haben möchte oder die Bilder beispielsweise für den Blog hier aufnehme, nutze ich vorzugsweise Querformat.

Auf unserem Instagramchannel sleepherds zeige ich oft Hochformat. Warum das so ist? Die Bilder werden dort im Hochformat besser angenommen. Durch das Hochformat wird der Screen des Nutzers am Handy komplett ausgefüllt. Der Betrachter verweilt länger auf dem Foto und beschäftigt sich somit auch mehr mit meinem Content.

Generell ist es aber definitiv Deine Entscheidung, welches Format Du für besser befindest. Probiere Dich einfach aus.

Bildgestaltung – Wahl der Tageszeit

Übrigens ist ein wichtiger Faktor in der Hundefotografie die Tageszeit. Du solltest nicht in der prallen Mittagssonne fotografieren, auch wenn Du denkst, dass es doch schön hell ist. Starke Sonneneinstrahlung bedeutet zum einen, dass Farben im wahrsten Sinne des Wortes ausbrennen. Zum anderen aber auch, dass Du harte Schatten hast. So etwas im Nachhinein auszubearbeiten ist nicht nur schwer, sondern auch überflüssig. Wähle eine bessere Tageszeit. Häufig ist ein Morgen- oder Abendlicht wesentlich besser gewählt.

Sofern Du aber dringend ein Foto machen musst und die Sonne nun mal scheint (Darüber wollen wir uns mal nicht beklagen 😉 ), verlege Deine Fotolocation in den Schatten.

Es gibt noch einen weiteren Nachteil, wenn Du in der Mittagshitze fotografierst: Viele Hunde hecheln und sehen kaputt und unmotiviert aus. Das mag uns so natürlich nicht stören, auf einem Foto wirkt es aber leider nicht gut.

Bildgestaltung – zu guter Letzt

Ein paar Kleinigkeiten seien noch erwähnt, die aus meiner Sicht für gute Fotos unglaublich wichtig sind:

Dein Hund muss sich in der Situation wohl fühlen. Hat er zum Beispiel Angst an Straßen, dann ist es kein Bild wert, Deinen Hund in so eine Situation ohne ausreichendes Training zu drängen! Geräuschsensible Hunde sollten nicht direkt neben eines Schießstands abgelichtet werden.

Außerdem sollte ein Hund Spaß an dem Modeljob haben. Also ist viel Belohnung angesagt. Schimpfen und Korrekturen sind hier absolut fehl am Platz. Es sollte eher wie ein Spiel oder ein Trick für Deinen Hund sein. So lässt er sich gerne fotografieren und hat Spaß daran.

Der aufmerksame Blick

Ein paar Tricks gibt es natürlich auch, einen besonders schönen aufmerksamen Blick zu erhaschen. Was das bei Deinem Hund ist, musst Du heraus finden. Ich kann Dir hier nur ein paar kleine Kniffe mit auf den Weg geben:

  • Es gibt Apps mit Tierstimmen. Viele Hunde beginnen dann, den Kopf lauschend zu drehen
  • Leckerlis gehen immer! Wirf ein Leckerli und Dein Hund soll warten, bevor er es sich holen darf
  • Spielzeug: Lege ein Spielzeug in die Nähe Deines Hundes, viele Hunde schauen dann sehr schön, in freudiger Erwartung auf das Spielzeug
  • Quietscheball: Quietsche damit etwas. Auch hier freuen sich viele Hunde bereits auf das Spiel. Du solltest aber Deinen Hund auch immer zeitnah damit belohnen.

Für ein paar süße Aufnahmen kann Dir auch Clickertraining weiterhelfen. Das Tricksen mit Hund kommt auf Fotos häufig sehr gut an.

Wie lange darf ein Fotoshooting gehen?

Bitte beachte beim Fotografieren, dass der Modeljob anstrengend ist. Jeder, der schon mal selbst vor der Kamera gestanden hat, und sei es „nur“ für Familienfotos, weiß das. Deswegen solltest Du eine Fotosession niemals übertreiben. Je nach Alter und Ausbildung des Hundes ist die Konzentrationszeit unterschiedlich. Welpen können meist nur ganz kurze Momente eine Konzentration aufbauen. Ältere, ausgebildete Hunde länger. Am besten ist es, wenn man sich einfach mit mehreren Hundehaltern verabredet, wenn man sich in der Hundefotografie ausprobieren will. So kann ein Hund modeln und die anderen haben Freizeit und dürfen sich ausruhen oder bewegen.

Bildgestaltung: Mira trinkt aus Waldpfütze
ProTipp: Nicht immer müssen alle Bilder sonderlich gestellt sein. Gerade solch natürlichen Bilder mag ich persönlich sehr gerne. Dieses Bild ist sogar gänzlich unbearbeitet.

Ich würde niemals eine Fotosession länger als zehn Minuten machen. Natürlich kann dieses mal mehrfach am Tag vorkommen, aber dennoch hat Mira dazwischen immer Pausen, in denen ich mit ihr einfach nur gehe, spiele oder kuschele.

Übertreibst Du es, wird Dein Hund die Lust daran verlieren. Bedenke dieses immer.

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