Reizangel – Hundetraining für mehr Impulskontrolle & Frustrationstoleranz

Gerade aktive Hunderassen besitzen häufig eine mangelnde Impulskontrolle und eine niedrige Frustrationstoleranz. Das bedeutet, dass sie auf Reize körperlich reagieren ohne vorher überhaupt nachzudenken und sich nicht gedulden können. Im Alltag kann das sogar gefährlich werden. Es gibt viele Möglichkeiten, wie Du mit Deinem Hund an dieser Baustelle arbeiten kannst. Im Zuge der diesjährigen Blogparade von AGILA mit dem Thema „„Alles in Bewegung – Fitte Pfoten mit AGILA“ stelle ich Dir heute die Arbeit mit der Reizangel vor, mit der Du Deinen Hund geistig und körperlich auslasten und gleichzeitig an einigen Baustellen arbeiten kannst.

Warum ist eine gute Impulskontrolle und Frustrationstoleranz so wichtig?

Nicht jeder Hund besitzt von Natur aus eine gute Impulskontrolle oder eine hohe Frustrationstoleranz. Auch wir als Kinder mussten erst lernen, mit Frust umzugehen und es richtig zu kanalisieren. Und so sollten es auch unsere Hunde lernen. Das ist nicht nur für die Fellnasen und uns entspannter, sondern kann auch Leben retten.

Hat Dein Hund eine schlechte Impulskontrolle und hetzt hinter Fahrradfahrern, Autos oder Wild hinterher, kann das für Deinen Hund gefährlich werden – aber natürlich auch für jeden anderen Verkehrsteilnehmer oder die Wildtiere!

Aber auch Geduld will gelernt sein. Ansonsten hast Du einen ständig bellenden, jaulenden oder motzenden Hund. Das kann nicht nur ganz schön nerven, sondern führt auch dazu, dass Dein Hund nicht zur Ruhe kommt und immer weiter in Rage gerät.

Geduld und Impulskontrolle entsteht auch nicht über Nacht. Es ist ein Prozess des Lernens Schritt für Schritt und des Generalisierens. Also musst auch Du bei diesem Training Geduld haben.

Letztlich sollte man mit jeder Hunderasse und jedem Hund an diesen Punkten arbeiten. Dennoch ist es für manche Hunde wichtiger als für andere. Gerade die bekannten Arbeitshunderassen wie der Australian Shepherd, Border Collie oder ein Malinois haben von Natur aus häufig eher eine niedrige Frustrationstoleranz und eine schlechtere Impulskontrolle. Sie reagieren schnell auf Reize, was in ihrer typischen Arbeit ja auch durchaus gut ist. Allerdings sollten sie im Alltag entspannt sein.

Reizangel – es gibt auch viele Stimmen gegen die Nutzung

Vielleicht hast Du auch schon von Kritik am Training mit der Reizangel gehört. Meistens wird daran kritisiert, dass Du den Hund hierbei ja zum Hetzen animierst. Das sehe ich persönlich anders. Denn jedes Training ist nur so gut und schlecht wie Du es einsetzt.

Lässt Du Deinen Hund ohne Regeln und Aufgaben einfach nur dem Spielzeug hinterher hetzen um eine vermeintliche Auslastung zu erzielen, ist dies definitiv nicht förderlich. Verbindest Du es aber mit Aufgaben, mit Geduld, Abwarten und Widerstehen, also mit Kommandos und Aufgaben und setzt dies spielerisch ein, kann es Euch in Eurem Training wirklich nutzen. Denn was bringen Dir alle erlernten Kommandos, wenn diese bei einem Reiz vergessen werden?

Impulskontrolle und Frustrationstoleranz mit Hunden trainieren.
Wichtig: Das Training mit der Reizangel sollte nicht bedeuten, dass Dein Hund nur kopflos hetzen darf. Verbinde es mit Aufgaben.
Übrigens: Wie Du vielleicht schon erkannt hast, bin nicht ich auf diesen Fotos zu sehen. Meine beste Freundin hat mich hierbei unterstützt, da es unmöglich war, die Fotos mit Selbstauslöser zu machen 🙂 Natürlich darf ich die Fotos hier zeigen.

Warum ich mich für das Training mit der Reizangel entschieden habe

Wie Du weißt, denke ich mir immer mal etwas Neues aus, um Mira auszulasten. Als Australian Shepherd reagiert sie stark auf Bewegungsreize und besitzt auch deutlichen Jagdtrieb. Ich wollte mit der Reizangel einen Reiz schaffen, der sie auch wirklich triggert und fordert. Hierdurch konnte ich wichtige Kommandos wie den Rückruf oder das Verbleiben in bestimmten Positionen testen und habe gleichzeitig ein Training, an dem sie großen Spaß hat und voll motiviert dabei ist.

Worauf Du beim Training mit der Reizangel achten solltest

Wichtig ist, dass Du Deinen Hund vor dem Training warm machst. Wie ein richtiges Warm-Up funktioniert, erkläre ich Dir in meinem Beitrag zu Muskeltraining und Balancetraining. Wärmst Du Deinen Hund vor sportlichen Aktivitäten nicht ausreichend auf, kann dies schnell zu Verletzungen führen.

Außerdem solltest Du auch auf die äußeren Bedingungen achten: Du solltest keinen steinernen oder gefrorenen Untergrund nutzen, um die Gelenke nicht zu stark zu belasten. Auch sollte der Boden möglichst eben sein. In Löchern könnte Dein Hund hängen bleiben und sich verletzen.

Es sollte sich von selbst verstehen, dass Du auch bei hohen Temperaturen keine starke körperliche Belastung einfordern solltest. Und natürlich sollte Dein Hund immer ausreichend Trinkwasser zur Verfügung haben.

Kann ich mir eine Reizangel selber bauen?

Du kannst Dir fertige Reizangeln kaufen. Allerdings sind diese häufig sehr klein und bieten keinen großen Radius. Deswegen habe ich mir meine Reizangel selber gebaut: Hierzu habe ich mir eine Longierpeitsche gekauft und unten einfach ein Spielzeug fest gebunden. Je nach Longierpeitsche und Spielzeug ist dies nicht sonderlich teuer und schnell gemacht.

Ich möchte Dir davon abraten, eine Reizangel mit einem Stock selbst zu basteln. Das Verletzungsrisiko ist zu groß und zudem ist ein Stock auch nicht so elastisch.

Reizangel selber bauen
Ich habe einfach einen Zergel an das Ende der Longierpeitsche geknotet. Er lässt sich gut greifen, geht nicht so schnell kaputt und Mira liebt ihn.

Welches Spielzeug Du dann daran befestigst, bleibt natürlich Dir überlassen. Vielleicht hat Dein Hund ja ein Spielzeug, welches er besonders gerne mag? Besonders gut eignen sich alle Spielzeuge, die Dein Hund gut mit dem Maul greifen und halten kann. Zum Beispiel Zergel oder ähnliche Dinge. Kuscheltiere, die schnell zerreißen, sind eher nicht für dieses Hundetraining geeignet.

Alternativ kannst Du auch ein Spielzeug an eine Schleppleine binden, allerdings finde die Lösung mit der Longierpeitsche für uns geeigneter.

Ist dieses Training  für jeden Hund geeignet?

Hier möchte ich ganz klar nein sagen! Gerade Hunde, die gerne Gas geben, sollten absolut gesund sein. Denn die Kurven und die Belastung der Gelenke ist einfach vorhanden. Dementsprechend sollte Dein Hund auch ausgewachsen sein, gerade, wenn Du den Reiz durch schnelleres Ziehen erhöhst. Als Mira das Sehnenleiden hatte, habe ich über Monate dieses Training nicht gemacht. Nach der Ruhephase folgte erst ein langer Muskelaufbau und erst über ein halbes Jahr später habe ich das erste Mal die Reizangel wieder rausgeholt.

Außerdem sollte Dein Hund Spaß am Training solcher Art haben. Es bringt nichts, wenn er genervt oder gar gestresst ist.

Reizangel Hundetraining
Für dieses Training sollte Dein Hund ausgewachsen und gesund sein. Achte bitte unbedingt darauf, dass der Boden geeignet ist.

Und natürlich musst Du zudem darauf achten, dass Dein Hund nicht vollkommen überdreht. In diesem Fall solltest Du lieber langsam anfangen und es Schritt für Schritt aufbauen – oder direkt eine entspanntere Beschäftigung wählen – zum Beispiel das Such verloren Spiel oder ähnliches.

Wie oft darf ich mit meinem Hund das Reizangeltraining machen?

Bitte nutze dieses Training in Maßen und nicht in Masse. Dein Hund soll nicht zum Junkie herangezogen werden. Es dient lediglich dazu, an der Frustrationstoleranz und der Impulskontrolle Deines Hundes zu arbeiten, ihm körperliche und geistige Auslastung  und Abwechslung zu bieten.

Auch solltest Du nicht vergessen, dass es anstrengend ist. Also beginne das Training mit maximal fünf Minuten. Je nach Trainingsstand und Alter Deines Hundes kannst Du später die Trainingseinheiten auf bis 30 Minuten aufbauen. Das ist natürlich auch davon abhängig, welche Übungen Du einbaust – denn da kannst Du sehr kreativ werden.

Wie Du das Training Deines Hundes mit Reizangel aufbaust

Bei dem Training mit der Reizangel geht es nicht darum, dass Dein Hund kopflos dem Spielzeug hinterherhechtet. Hierdurch wird die Impulskontrolle nicht gestärkt – im Gegenteil. Und es kann Dir passieren, dass Dein Hund im Hetzverhalten nur gestärkt wird, sollte er einen Jagdtrieb haben. Also setze die Reizangel bewusst im Training ein.

Der erste Schritt

Wichtig ist zu Anfang, dass Du langsam startest. Dein Hund soll möglichst viel bzw. alles „richtig machen“, damit Du ihn belohnen kannst und er schnell versteht, dass es sich lohnt, aufmerksam zu sein.

Den meisten Hunden fällt es übrigens im Liegen leichter, einem Reiz zu widerstehen. Also lege Deinen Hund ab und bewege die Reizangel erstmal mit etwas Abstand vor Deinem Hund. Bleibt er liegen, belohne ihn unbedingt. Bleibt er nicht liegen, sorge dafür, dass er kein Erfolgserlebnis an der Reizangel hat – nimm sie also direkt hoch! Du solltest Deinen Hund wieder genau an die Stelle platzieren, von der er gerade aufgestanden ist.

Wiederhole dieses ein paar Mal bis Dein Hund sicher liegen bleibt. Nun kannst Du den Reiz erhöhen, in dem Du die Bewegung der Reizangel verstärkst. Bitte belohne Deinen Hund immer wieder fürs ruhige Liegen bleiben. Hat Dein Hund das brav gemacht, kannst Du ihn danach mit einem Spiel belohnen (noch nicht mit der Reizangel).

Was kommt als nächstes?

Nun sollte Dein Hund lernen, das Spielzeug auf Kommando entweder loszulassen oder Dir in die Hand zugeben. Er soll das Spiel also auf Kommando abbrechen können. Du kannst zuerst mit tauschen arbeiten. Hierfür nimmst Du zwei Spielzeuge und gibst eins Deinem Hund. Dann sagst Du das Kommando zum geben und öffnest Deine Hand. Gibt Dein Hund das Spielzeug, erhält er automatisch ein anderes Spielzeug und Du kannst mit ihm eine kleine Party feiern. Alternativ kannst Du auch mit Futter als Belohnung arbeiten. Auch hier solltest Du den Schwierigkeitslevel erhöhen und zum Beispiel das Kommando in der Bewegung sagen.

Belohnung beim Training ist so wichtig
Lasse Dir den Gegenstand in die Hand geben. Du kannst hierbei auch den Rückruf sehr gut üben – rufe Deinen Hund ran, lasse Dir das Spielzeug in die Hand geben und belohne ihn.

Wie geht es weiter?

Nun kannst Du Bewegung ins Spiel bringen. Zum Beispiel kannst Du Deinen Hund auch mal der Reizangel hinterher hetzen lassen und ihn aus vollem Lauf in die Ablage schicken (sofern er das Kommando kennt und es gefestigt ist). Oder Du lässt Deinen Hund das festgebundene Spielzeug fangen und sagst das Kommando für die Übergabe. Denke bei Erfolg bitte immer an die Belohnung. Zwischendurch sollte Dein Hund auch immer mal ruhig zuschauen können, wenn Du mit der Reizangel alleine „spielst“.

Sollte Dein Hund aus Frust bellen, solltest Du es in der Situation in jedem Fall ignorieren und aussitzen und ihn belohnen, wenn er ruhig ist. Beim nächsten Mal gehe bitte einen Schritt zurück und mach langsamer, dass es gar nicht erst zu dieser Situation kommt. So kannst Du die Frustrationstoleranz langsam steigern.

Sei kreativ – es gibt so viele Möglichkeiten!

Wenn Dein Hund die Basic-Übungen beherrscht, kannst Du nun kreativ werden. Du kannst ihn zum Beispiel zwischendurch auf ein Bodentarget schicken. Oder jemand anders bewegt die Reizangel und Du rufst ihn vom „Hetzen“ ab.  Sei kreativ – es gibt viele tolle Möglichkeiten, wie Du andere Übungen in das Training mit der Reizangel einbauen kannst!

Reizangel Training zur Impulskontrolle
Die Königsdisziplin: Abruf während des Hetzens. Deswegen macht es durchaus auch Sinn, das Training ab und an mal zu zweit durchzuführen.

Fazit: Hundetraining mit der Reizangel

Wie mit allem anderen ist es auch mit der Reizangel so: Es kommt nicht darauf an, ob Du es einsetzt, sondern wie Du es einsetzt. Sicherlich ist diese Trainingsmethode nicht für jeden Hund geeignet, kann aber vielen Hunden großen Spaß machen und richtig eingesetzt kannst Du hierdurch sehr gezielt Reize entstehen lassen, mit denen Du an der Impulskontrolle und der Frustrationstoleranz Deines Hundes arbeiten kannst.

Mich würde interessieren: Hast Du an der Frustrationsgrenze und der Impulskontrolle mit Deinem Hund gearbeitet? Hierzu gibt es ja unzählige verschiedene Möglichkeiten. Erzähle mit und den anderen Lesern gerne davon in einem Kommentar. Ich würde mich sehr freuen.

Info
Dieser Beitrag entstand im Zuge einer Kooperation mit der Agila Haustierversicherung. Vielen Dank an dieser Stelle für die immer liebevolle, offene und konstruktive Zusammenarbeit.

Blogparade – denn Bewegung und Gesundheit kennt kein Ende

An dieser Stelle möchte ich noch auf die anderen tollen Beiträge hinweisen, die im Zuge der Blogparade schon online sind oder noch kommen werden: Bei Melodie und Buddyandme ist bereits ein toller Beitrag online gegangen. Bei Tanja und Herr Olaf gibt es eine richtig geniale Instagramchallenge. In der 35. Kalenderwoche folgen mit einem Bericht zur Brockenwanderung Revaandme und Yvonne und Labradorlaika.com mit dem Thema Wandern und Radfahren mit dem Hund. In den folgenden Wochen werden weitere tolle Beiträge bei folgenden wundervollen Blogs folgen: Dogsoulmate, einhundrudel, dreipunktecharlie, verbellt & gehoppelt, den zauberhaften Mädels von behuetet & geliebt, verpinscht und cavimami. Es lohnt sich wirklich, bei allen Blogs vorbeizuschauen. In allen Beiträgen steckt so viel Mühe und Liebe.

Und eine kleine Überraschung habe ich auch noch für Euch:

Überraschungsbox Agila
Auf Instagram werde ich diese Überraschungsbox verlosen. Dort findest Du auch alle Gewinnspielbedingungen und den Teilnahmezeitraum.
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7 Kommentare bei „Reizangel – Hundetraining für mehr Impulskontrolle & Frustrationstoleranz“

  1. Momo.und.nicole sagt: Antworten

    Sehr schöner informativer Beitrag mit vielen Anregungen, werde das ein oder andere mit Momo auftrainieren.

  2. Danke für den tollen Beitrag wir sind begeistert und haben uns schon alles bestellt damit das Training losgehen kann. Wir arbeiten bereits an der Impulskontrolle und der Frustrationsgrenze und haben in den letzten Wochen große Fortschritte gemacht.

  3. emil_beshepherd sagt: Antworten

    Dieser Blogpost ist sehr interessant. Mit einer Reizangel habe ich noch nie trainiert. Vielleicht wird das „Basteln“ einer Angel mein neues Projekt! So oder so arbeiten wir weiter an Emils Frustrationstoleranz und seiner Impulskontrolle.

  4. Silvia Stegemann@yumibär sagt: Antworten

    Ich finde das mit der Reizangel sehr interessant.Habe ich noch nie ausprobiert. Vielleicht wäre es was für Yuma. Jagen oder hetzen macht er nicht. Aber er lässt sich schlecht zurück rufen, wenn andere Hunde uns plötzlich entgegen kommen.Oder im Garten am Zaun ist es auch schwierig. Vielleicht würde die Reizangelübung auch dabei helfen.

  5. […] einen ausführlichen Blogbeitrag im Rahmen der AGILA Blogparade geschrieben, auf den ich hier an dieser Stelle gerne verweisen möchte. Dort könnt ihr lesen, für welche Hunde sich die Arbeit […]

  6. Letti_thebordercollie sagt: Antworten

    So ein interessanter Beitrag ❤️ wir trainieren ja super gern die frustrationstolleranz und was neues fürs Training wär spitze 😊

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