Koordinationstraining für Hunde – das Lava-Spiel

Boden betreten verboten

Koordinationstraining ist für Hunde, die im Hundesport geführt werden, wichtig. Denn da kommt es häufig auf ein gutes Körpergefühl an. Außerdem verhindert eine gute Balance auch Verletzungen. Doch auch im Alltag kann ein gutes Training der Balance helfen, dass Dein Hund lange gesund bleibt und oder mit Einschränkungen besser umgehen kann. Deswegen habe ich mir zu diesem Zweck das Lava-Spiel zu nutze gemacht und stelle es Dir gerne vor.

Was ist das „Lava-Spiel“

Vielleicht kennst Du es noch aus Deiner Kindheit: Auf ein gewisses Kommando durftest Du den Boden nicht mehr berühren, denn auf diesem Boden floss heiße Lava. Also kletterten wir von Sofa zu Hocker, sprangen auf den nächst gelegenen Läufer und auf Stühle. Wer den Boden berührte, hatte verloren. Auch durfte man nur eine bestimmte Zeit auf einem rettenden Ort verbleiben.

Im Englischen / Amerikanischen nennt man dieses Spiel „On the floor is lava“.

Vor kurzem sah ich wieder ein lustiges Video, auf dem das Spiel in der Öffentlichkeit von Menschen gespielt wurde. Sie kletterten auf Baumstämme, Bänke und alles, was sonst noch so in der Nähe war, um der gefährlichen Lava zu entgehen. Ein paar lustige Videos zu On the Floor is Lava sind auf YouTube zu finden – Lacher vorprogrammiert!

Dies brachte mich auf die Idee, das Spiel auch im Training mit Mira zu nutzen. Vielleicht gefällt Dir das Spiel ja auch und Du möchtest es in den Alltag mit Deinem Hund einbauen? Dann lese jetzt auf jeden Fall weiter.

Koordinationstraining durch das Lava-Spiel
Hier siehst Du Mira schon beim zweiten Training des Lava-Spiels. Wir sind noch am Anfang, aber sie hat sehr viel Spaß daran.

Koordinationstraining für Hunde – warum das wichtig ist

Balance beschreibt eine Ausgeglichenheit im Körper. Wenn Du mit Deinem Körper ausbalanciert bist, ist es leichter für Dich, auch mal unwegsame Wege zu gehen. Du erhältst ein besseres Körpergefühl, kannst Dich und Deine Schritte besser einschätzen und bei einem guten Training ist auch der Muskelaufbau beim Hund ausgeglichener. Auch Koordination ist beim Balancieren ein wesentlicher Teil hiervon.

Deswegen sollten nicht nur Hunde, die sportlich geführt werden, sondern auch Familienhunde immer mal wieder Muskelaufbau und Balancetraining machen und an der Koordination arbeiten. Es gibt unzählige Möglichkeiten dazu. Unter anderem auch das Lava-Spiel.

Koordinationstraining für Hunde – wie funktioniert das Lava-Spiel?

Bevor ich Dir nun erkläre, wie Du das Lava-Spiel Schritt für Schritt aufbaust, möchte ich Dir kurz erklären, was der Sinn hinter dem Lava-Spiel ist:

Dein Hund soll – wie Du Dir sicher schon denken kannst – den Boden nicht berühren. Hierfür baust Du einen Parcours auf. Das tolle ist: Du kannst das Spiel sowohl drinnen als auch draußen spielen. Du benötigst nur etwas Platz, um einen Hindernislauf aufbauen zu können.

Wenn das Spiel gut von Dir aufgebaut wurde, wird Dein Hund vom einen Hindernis zum nächsten Klettern oder Springen, ohne den Boden zu berühren. Und vielleicht kannst Du es Dir schon denken: Je weiter Du das Spiel aufbaust, desto schwieriger werden die Hindernisse.

An dieser Stelle ganz wichtig erwähnt: Das Spiel heißt Spiel, weil es ein Spiel ist 🙂 Es soll ganz ganz viel Spaß machen und deswegen passiert nichts mit Druck und Zwang, sondern immer mit einem Lächeln und ganz viel Geduld. Wenn Du mal einen schlechten Tag hast – das ist nur menschlich – dann gehe einfach mit Deinem Zweibeiner spazieren und kriege den Kopf frei. Hunde merken genau, wenn man nicht auf der Höhe ist und deswegen darf man dann auch gerne mal Training Training sein lassen 🙂

Koordinationstraining für Hunde – wie Du das Spiel aufbaust

Schritt 1 – die ersten Hindernisse

Wie eben schon erklärt, soll Dein Hund von einem Hindernis zum anderen – ohne dabei den Boden zu berühren. Beginne anfangs mit leichten Hindernissen. Dieses sind Hindernisse, die groß genug sind, dass Dein Hund bequem darauf stehen kann. Zu Beginn geht es noch nicht ums Ausbalancieren oder dem bewussten Treten, sondern rein nur darum, dass Dein Hund lernt, von einem Hindernis zum nächsten zu gehen.

Ich habe mit alten Obstkisten und Stühlen begonnen. Bitte achte auf jeden Fall darauf, dass keine spitzen Kanten oder andere Dinge daran zu finden sind, an denen sich Dein Hund verletzten könnte. Ansonsten stellt er schnell eine negative Verknüpfung her – und das ist das Letzte, was wir wollen.

Stelle einfach zwei Kisten (oder zum Beispiel Wäschekörbe oder Stühle, sei einfach kreativ und nimm das, was Du da hast) nebeneinander. Es kommt selbstverständlich auch auf Größe und Gewicht Deines Hundes an, welche Hindernisse hier geeignet sind. An dieser Stelle noch ein kleiner Hinweis: Achte anfangs darauf, dass die Hindernisse nicht weg rutschen oder kippeln. Vielen Hunden ist dies unangenehm.

Lava-Spiel: Der erste Parcours
So könnte ein erster, einfacher Parcours aussehen. Für den Anfang ist es vollkommen ausreichend. Achte darauf, dass nichts rutscht.

Nun lockst Du Deinen Hund auf das erste Hindernis und belohnst ihn fürs drauf gehen. Dieses wiederholst Du mehrfach. Hat Dein Hund dies verstanden, kannst Du schon ein Wort dafür einführen. Bei uns heißt es einfach „Lava“. Eine große Hilfe dabei ist übrigens das Clickertraining. Über Clickertraining – die Basics und ein paar einfache Anleitungen für ein paar Tricks hatte ich bereits in älteren Artikeln berichtet.

Wenn Du denkst, Dein Hund hat das Kommando mit der Bewegung auf das Hindernis verknüpft, versuche doch mal, ob er es auch mit etwas Abstand von Dir aus macht? Wenn das klappt, kannst Du sicher sein, dass Ihr auf einem guten Weg seid und weitermachen.

Als nächstes kommt das zweite Hindernis ins Spiel. Du lockst Deinen Hund von einem Hindernis auf das zweite Hindernis. Auch hier kannst Du wieder den Begriff Lava verwenden. Bis hierher ist es noch kein wirkliches Koordinationstraining für Hunde, aber das kommt noch 🙂

Schritt 2 – wie geht es weiter?

Wenn Ihr Schritt eins erfolgreich gemeistert habt, seid Ihr quasi schon komplett im Spiel drin. Denn nun geht es ans Eingemachte. Für den Anfang kannst Du den Parcours erst einmal um ein paar weitere, einfache Hindernisse erweitern. Stelle die Hindernisse nicht zu weit auseinander. Dein Hund soll am Anfang spielend von einem zum nächsten kommen.Auch wenn ich mich wiederholen mag: Fang einfach an. Überfordere Deinen Hund nicht – es ist ein Spiel. Dein Hund soll gar nicht merken, dass Du an seiner Koordination arbeiten willst 🙂

Schritt 3 – Schwierigkeitsgrad erhöhen

Wenn Du denkst, bis hierher war es nur Kindergarten, dann magst Du vielleicht recht haben. Denn nun ziehen wir den Schwierigkeitsgrad an. Es gibt drei Wege, um Deinem Hund nun etwas mehr abzuverlangen.

Weg 1 – breitere Distanz

Der erste Weg ist wohl der einfachste Weg, um das ganze in das nächste Level zu schieben. Hierbei werden die Hindernisse einfach weiter auseinander gestellt. Dadurch muss sich Dein Hund schon etwas mehr anstrengen, um nicht die gefährliche Lava am Boden zu berühren. Wenn Du möchtest, dass Dein Hund sogar springt, solltest Du das Training lieber auf weichen Rasen nach draußen verlagern, es sei denn, Du hast Teppich. Klappt es nicht, kann er sich bei der Ladung auf rutschigem Boden verletzen.

Weg 2: kleinere Hindernisse

Ein weiterer Weg ist es, die Hindernisse einfach zu verkleinern. So muss Dein Hund schon genauer darauf achten, wie er tritt und wie er sich bewegt. Gehe bei der Verkleinerung der Hindernisse langsam vor. Später können es zum Beispiel nur kleine Balanceigel sein, über die Dein Hund Pfote für Pfote schreitet. Bis Du da bist, wird es jedoch etwas dauern 🙂

Koordinationstraining
Bei dieser Übung wird es schon richtig schwer. Denn Dein Hund kann hier nicht mit allen vier Pfoten auf einem Igel stehen. Deswegen ist dieses auch eher etwas für Fortgeschrittene.

Weg 3 – unterschiedliche Höhen

Nutze unterschiedliche Höhen für Deine Hindernisse. Auch hierbei lernt Dein Hund, sich zu Koordinieren. Er muss die unterschiedlichen Höhen einschätzen und trainiert direkt auch seine Muskeln dabei

Koordinationstraining für Hunde
Zugegeben: Dieses Bild ist gestellt, denn wir sind noch nicht so weit. Aber wenn Du den Schwierigkeitsgrad erhöhen möchtest, baue unterschiedliche Höhen ein.

Koordinationstraining für Hunde – die Profi-Klasse

Am Ende angekommen habt Ihr schon einiges erreicht. Der Feinschliff besteht nun darin, zum einen die drei unterschiedlichen Wege zu mischen und zum anderen immer neue Parcours zusammen zu stellen, damit es nicht langweilig wird. So kann man im Garten auch mal mit Blumentöpfen oder Eimern arbeiten und drinnen mit Kisten, Balancepads oder anderen Sachen. Du kannst auch mal zwischendurch einen Balken legen, auf dem Dein Hund über die „heiße Lava“ balanciert.

Fazit Koordinationstraining für Hunde

Ich weiß nicht, ob jemand anders dieses Spiel schon mal irgendwo vorgestellt hat. Mir kam es wirklich selbst in den Sinn. Mira und mir macht es ganz viel Spaß. Wie nutzen es zum Beispiel abends mal, wenn das Wetter schlecht ist und wir drinnen ein bisschen was machen wollen (Wenn Du Deinen Hund bei schlechtem Wetter auslasten willst, habe ich auch noch ein paar weitere Tipps für Dich auf Lager). Oder mal im Garten, wenn die Lust auf einen großen Spaziergang nicht vorhanden ist. Aber es spricht auch nichts dagegen, es täglich zu üben, sofern weiterhin Spaß und Abwechslung im Spiel ist. Wenn Du doch auch mal etwas anderes machen möchtest, kannst Du auch mal Intelligenzspielzeuge für Hunde selber basteln.

Wenn Du mein Spiel ausprobierst, berichte doch gerne mal, wie es bei Dir klappt und ob Du noch Verbesserungsvorschläge hast. Ich würde mich über Dein Kommentar sehr freuen.

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