Deinem Hund Sicherheit vermitteln – ein paar einfache Tipps

Hund Sicherheit vermitteln

Einem Hund Sicherheit vermitteln? Wozu soll das gut sein? In vielen Hundeschulen wird nach wie vor unterrichtet, dass Du der Rudelführer sein musst und Dich durchsetzen sollst. Ich sehe das etwas anders. Natürlich sollte Dein Hund gewisse Grenzen akzeptieren, allerdings streben Hunde eher nach Harmonie und Geborgenheit. Deswegen sollte das erste Ziel sein, dass Dein Hund sich bei Dir sicher fühlt und lernt, dass Du schwierige Situationen auch für ihn regelst. Ich gebe Dir heute ein paar Tipps, wie Du das erreichen kannst.

Hund Sicherheit vermitteln – in welchen Situationen ist das wichtig?

Es gibt Hunde, die einfach in allen Situationen entspannt sind. Das hat verschiedene Gründe: Gute Gene, gute Sozialisierung und sicherlich spielt auch ein gutes Training ohne großartige Traumata eine Rolle. Es gibt aber auch Hunde, die eben nicht mit allen Situationen umgehen können. Die vom Typ her er unsicher und weniger souverän sind. Das ist aus meiner Sicht auch vollkommen in Ordnung, denn wir Menschen sind eben auch nicht alle gleich.

Gerade diese Hunde benötigen zusätzliche Sicherheit, damit sie entspannt durchs Leben gehen können.

Mira ist ein sehr unsicherer Hund. Sie kann viele Situationen nicht einschätzen und reagiert dann mit Offensive. Das ist natürlich nicht das, was ich mir wünsche. Deswegen habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie ich diese Situation für sie ohne Druck und Stress entschärfen kann. Raus gekommen ist das Safe-Konzept.

Hund Sicherheit vermitteln – das Safe-Konzept

Was ist das Safe-Konzept? Safe steht für „sicher“, so viel ist schon mal klar. Tatsächlich kannst Du es bei Dir so nennen, wie Du möchtest. Ich fand den Namen einfach sehr passend und auch einfach. Es ist ein Wort, welches ich sonst nicht im Alltag gebrauche und von daher sehr passend. 

Das Safe-Konzept soll dazu dienen, Deinen Hund in Sicherheit zu bringen und wo ist er in Sicherheit? Richtig: Hinter Dir! Denn wenn Dein Hund hinter Dir steht, kannst Du ihn vor vielen ungewünschten Situationen beschützen. Du bist dann die Wand zwischen dem Menschen, der sich ungefragt zu nah heran wagt. Du bist auch die Wand zwischen Deinem Hund und dem unangeleinten Hund, der auf Euch zu rast. Du bist die Wand zwischen Deinem Hund und anderen Dingen, die Deinem Hund Angst machen könnten, wie zum Beispiel die Müllabfuhr oder einem riesigen Trecker. Was auch immer es ist – Du beschützt Deinen Hund.

Hund Sicherheit vermitteln
So soll Dein Hund also hinter Dir sitzen, damit Du ihm Schutz bieten kannst. Wie Du es Deinem Hund beibringst, erfährst Du im weiteren Text.

Wie funktioniert das Safe-Konzept?

Jetzt hast Du schon eine grobe Vorstellung, wie das Safe-Konzept funktioniert. Dein Hund soll also hinter Dir sein in schwierigen Situationen, aber wie baust Du es nun genau auf?

Safe-Konzept – erster Schritt

Ganz zu Anfang soll Dein Hund erstmal lernen, was das Wort Safe bedeutet. Außerdem solltest Du auch ein Handzeichen dafür einführen. Übe vorerst nur in der Wohnung ohne Reize. Dein Hund soll sich ganz auf Dich konzentrieren. Auch wenn ich sonst gerne zum Clickertraining greife, habe ich dieses ohne den Clicker aufgebaut, da ich es nicht als Trick etablieren möchte, sondern im Alltag.

Nimm ein gutes Leckerli in die Hand (ich kann Dir von Herzen EasyBarf von AniFit empfehlen, Mira liebt sie. Du kannst sie klein brechen. Sehr gesunde Snacks und die Hunde lieben es 🙂 ) und führe Deinen Hund von vorne in einem Halbkreis hinter Deinen Rücken. Gut wäre es, wenn Du Deinem Hund anfangs beibringst, dass er dort sitzen bleibt. Wozu das gut ist, erzähle ich Dir später.

EasyBarf von AniFit
Als Leckerlis nutzen wir gefriergetrocknetes Fleisch. Du findest es als EASY Barf bei uns im Shop.

Bei mir ist die Bewegung der Hand hinter den Rücken im Halbkreis das Zeichen für „Safe“. Du kannst es auch nach und nach mit dem Wort verknüpfen (wie bei uns zum Beispiel „safe“). Übe es täglich ein paar Mal drinnen ohne Reize. Wenn Du das Gefühl hast, Dein Hund weiß, was zu tun ist, kannst Du das Training langsam nach draußen verlagern.

Safe-Konzept – zweiter Schritt

Draußen machst Du die Übung auch erst einmal in einem Bereich ohne viele Reize, zum Beispiel im Garten. Anfangs solltest Du hier darauf achten, dass Dein Hund immer gerade seine Aufmerksamkeit Dir entgegen bringt, wenn Du die Übung machst. Belohne ihn jedes Mal für die richtige Ausführung. Er sollte übrigens auch immer so lange hinter Dir sitzen bleiben, bis Du ihn frei gibst (zum Beispiel durch ein „Ok“ oder „free“).

Hund Sicherheit vermitteln
Führe Deinen Hund anfangs mit einem Leckerli einfach hinter Dich. Verknüpfe dieses dann auch mit einem Markerwort wie „Safe“

Das klappt auch gut? Sehr schön. Dann geht es weiter: Baue es auf Deinem Spaziergang ein. Einfach als „Spiel“ und auch ruhig unter etwas Ablenkung. Allerdings solltest Du es einige Wochen trainieren, bevor Du es auch in schwierigen Situationen einsetzt.

Safe-Konzept – dritter Schritt

Nun geht es langsam ans Eingemachte. Dein Hund hat ein Problem mit etwas? Zum Beispiel mit Leinenbegegnungen? Dann kannst Du nun sehr sehr langsam Deinen Schutzmechanismus einsetzen. Fange allerdings mit einem großen Abstand an und geh nicht gleich aufs Ganze. Du wirst sehen – Dein Hund wird sich sicherer fühlen hinter Dir und entspannen.

Du könntest auch anfangs erst mal einige andere Hundebesitzer fragen, ob sie mit Dir trainieren. Dann kannst Du etwas entspannter überprüfen, ob das bisher gelernte sich gefestigt hat.

Doch warum hatte ich weiter oben gesagt, dass Du Deinem Hund am besten bei bringst, hinter Dir zu sitzen? Ganz einfach: Es gibt Situationen, bei denen Du vielleicht auch mal einen Schritt vorgehen musst, um die Situation zu klären. Ich denke dabei an einen auf Euch zu rasenden Hund, den Du abblocken willst. Du willst dabei Deinen Hund beschützen und nicht gemeinsam mit ihm den Hund verjagen. Also sollte er hinter Dir sitzen bleiben und akzeptieren, dass Du das Ganze klärst.

Safe-Konzept
Mira hat sehr schnell verstanden, was zu tun ist. Inzwischen kann ich das Konzept bereits in schwierigeren Situationen anwenden und wir machen gute Erfahrungen damit. An dieser Stelle übrigens auch ganz vielen lieben Dank an Sophia von Kleinstadtpfoten, die die Bilder für mich aufgenommen hat.

Safe-Konzept – vierter Schritt

Wenn das „sitzt“, kannst Du auch zusätzlich Deinem Hund noch bei bringen, hinter Dir zu laufen. Zum Beispiel mit dem Wort „Folge“. So kannst Du auch in engen Gefahrensituationen die Lage im Griff behalten. Hierbei sollte Dein Hund auch wirklich direkt hinter Dir laufen – also nicht links oder rechts neben Dir, sondern hinter Deinen Beinen.

Hund Sicherheit geben – was kannst Du noch machen?

Nun habe ich Dich in mein Konzept eingeweiht, wie ich Mira mehr Sicherheit auf Spaziergängen gebe. Und nach einigen Wochen Training kann ich Dir sagen: Es funktioniert – bei uns – tatsächlich. Mira läuft zum einen freudig hinter mich, wenn das „Safe“-Wort und die Bewegung kommt. Zum anderen bleibt sie aber tatsächlich auch dort und lässt mich machen.

Nun gibt es aber vielleicht auch mal Situationen, bei denen Du Deinen Hund auf andere Weise Sicherheit bieten möchtest. Auch hier habe ich ein paar Tipps für Dich. Ganz wichtig ist aber: Achte auf Deinen Hund! Nicht für jeden Hund ist eine Handlung gleich gut!

Berühre Deinen Hund

Viele Hunde beruhigen sich durch Berührung. Zum Beispiel durch eine Umarmung um die Brust mit ganz leichtem Druck. Vielleicht hast Du ja schon mal von einem Thundershirt gehört? So kannst Du es recht einfach Nachahmen. Aber nicht jeder Hund mag Berührungen. Achte also auf die Signale, die Dir Dein Hund gibt! Wird er ruhiger und entspannter? Oder versucht er sich Deiner Umarmung zu entziehen? Sendet er Dir Beschwichtigungssignale? Wenn ja, in welcher Form? All das solltest Du im Blick behalten.

Zeige ihm Dinge, die ihn beängstigen

Wenn Dein Hund vor Sachen Angst hat, gehe  zu dem Gegenstand und zeige ihm Deinen Hund. Aber Achtung: Mach kein großes Fass auf! Es sollte ganz selbstverständlich sein. Ich habe es so gemacht, dass ich das „Monster“ einfach angefasst habe und dann weiter gegangen bin. So kann Dein Hund lernen, dass Du keine Angst hast und es somit gar nicht so schlimm ist. Außerdem wirst Du hierdurch auch zum kleinen Helden, denn immerhin hast Du „das Monster“ ja bezwungen 🙂

Bringe ihm ein Entspannungswort bei

Vielleicht hast Du davon schon mal gehört? Du kannst Deinem Hund auch ein Wort beibringen, welches er mit Entspannung verwendet. Grob umschrieben funktioniert es so, dass Du das Wort immer in entspannten Momenten, zum Beispiel beim Kuscheln, verwendest. Ich werde hierfür noch mal einen weiteren Beitrag schreiben. Wenn Du es richtig und lange aufgebaut hast, kannst du auch hierdurch Deinen Hund Sicherheit vermitteln und Geborgenheit bieten.

Entspannter Hund
Bringe Deinem Hund Entspannung auf Kommando bei. Wie das funktioniert, werde ich in einem meiner zukünftigen Beiträge erklären.

Fazit Hund Sicherheit vermitteln

Aus meiner Sicht geht es nicht darum, der stärkste und härteste „Rudelführer“ dieser Welt zu sein. Das einzige was zählt, ist, dass wir in Situationen sicher und gelassen bleiben – und vor allem souverän. Wenn Du Deinem Hund Sicherheit vermitteln kannst, wird es keine schwierigen Situationen mehr geben. Dein Hund kann entspannter durchs Leben gehen und gewinnt an Lebensqualität. Ich wünsche Dir viel Freunde und Erfolg beim Umsetzen meiner Tipps und würde mich sehr freuen, wenn Du mir eine Rückmeldung gibst, wie es bei Euch funktioniert.

Wenn Du noch weitere Anregungen für Dein Training suchst, schau gerne mal in meine älteren Beiträge. Ich bin mir sicher, Du wirst auch dort einige tolle Anreize für Dich finden.

Es grüßen Dich Wiebke und Mira von sleepherds.de

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